
Umfrage unter Fußgängern: Hauptfeinde sind E-Scooter- und Radfahrer – Eine Umfrage des ADAC ergibt: Nicht etwa das Auto ist der größte Feind der Fußgänger. Stattdessen stören sich diese vor allem an Verkehrsteilnehmern auf zwei Rädern.
by Alexander_Selkirk
11 Comments
Ist ja auch kein Wunder, da diese meist gezwungen sind sich dieselbe Infrastruktur zu teilen.
Schön, dass der ADAC mal ein bisschen Stimmung macht, das kennt man sonst gar nicht so.
Um die Gelegenheit gleich zu nutzen, hier ein sehr lesenswertes Interview mit dem Wiener Verkehrsplaner Hermann Knoflacher zur Situation in Städten im Allgemeinen, und Berlin im Speziellen:
[„Das Auto steht überall im Weg, auch in Berlin. Man muss es wegräumen“](https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/das-auto-steht-ueberall-im-weg-auch-in-berlin-man-muss-es-wegraeumen-li.94227)
Zitat:
> Hermann Knoflacher ist emeritierter Professor der Technischen Universität Wien. Von 1985 an leitete er das dortige Institut für Verkehrsplanung und Verkehrstechnik. Bis heute ist er als Berater tätig.
> (Knoflacher) Das Auto muss aus der Stadt hinaus, gar keine Frage. Wenn wir dort Verkehrsmittel mit hoher Geschwindigkeit hineinlassen, dann hinterlässt das Wunden. Durch mehr Geschwindigkeit im System spart man keine Zeit, sondern verändert die Strukturen, indem einst kurze Wege länger werden. So zerstört das Auto das Umland und das Innenleben unserer Städte. Oft dient es auch als Kompensationsmittel für mangelnde geistige Mobilität. Die traditionelle Verkehrsplanung ist eine Disziplin, in der weitgehend ohne wissenschaftliche Grundlagen gearbeitet wurde und immer noch wird. Ganze Bereiche der Mobilität wie der Fuß- und Radverkehr kamen nicht vor, und in den Städten wurde vieles, was dem Auto im Weg stand, weggeräumt – zum Beispiel Straßenbahnen. In West-Berlin wurde 1967 die letzte Strecke stillgelegt.
> > (Frage) Wenn versucht wird, den Platz fürs Auto einzuschränken, gibt es Ärger. Warum ist das so?
>
> (Knoflacher) Das Auto verändert die Persönlichkeit grundlegend. Es liegt tiefer im Hirn des Menschen verankert als Beziehungen zu anderen Menschen. Wenn den Menschen Beziehungen wichtiger wären als ihre Fahrzeuge, würden sie nicht dulden, dass ihre Liebsten Tag für Tag durch den Kraftfahrzeugverkehr gefährdet werden. In Deutschland, Österreich und der Schweiz geben die Haushalte im Schnitt mehr für ihre Autos aus als für ihre Kinder. Ein Schlüsselerlebnis hatte ich während der Energiekrise 1973, als der Kraftstoff knapp wurde. Ein Tankwart erzählte mir von einem wütenden Autofahrer, der nicht tanken durfte. Wenn man ihm sein Auto wegnehmen würde, wäre das schlimmer, als wenn jemand seine Ehefrau umbringen würde, habe der Autofahrer gesagt. Das lässt tief blicken.
[ …]
> >(Frage) In diesem Jahr sind in Berlin bislang mehr als doppelt so viele Menschen von Kraftfahrzeugen getötet worden als im selben Zeitraum des vergangen>en Jahres. Wie kommentieren Sie die Unfallbilanz?
>
> (Knoflacher) Aus der Ferne ist das schwer zu beurteilen. Für sich genommen ist die Zahl der Toten nicht immer aussagekräftig. Nicht selten hängt es vom Zufall ab, ob ein Mensch einen Zusammenstoß mit einem Kraftfahrzeug überlebt oder nicht. Generell gilt, dass die Entwicklung der Zahl der Schwerverletzten aussagekräftiger ist. Auf jeden Fall lässt sich sagen, dass die Situation in Berlin nicht so schlimm wie in anderen Städten ist. Die Verkehrssicherheit hängt mit der Geschwindigkeit zusammen. Bei einer meiner Studien ging es um die Frage, warum die Zahl der Verletzten in Wien Ende der 1970er-Jahre nach einem positiven Trend wieder zugenommen hat. **Es konnte nachgewiesen werden, dass dies mit der Eröffnung von zwei Autobahnabschnitten am Stadtrand zusammenhing. Ein Teil des Autoverkehrs verlagerte sich aus der Stadt, was in Stadtstraßen das Tempo erhöhte – und damit auch die Zahl der Unfälle.**
Die Überschrift wurde absichtlich so gewählt, um den Fokus vom Auto abzulenken. Weiter unten im Text heißt es nämlich:
> Bei der Frage nach Maßnahmen für mehr Sicherheit im Straßenverkehr gerät aber wieder das Auto in den Fokus. So spricht sich die Mehrheit der Befragten für mehr Ampeln aus. Und auch neue Zebrastreifen werden gefordert. An dritter Stelle folgen mehr Tempo-30-Zonen in Wohngebieten. Zu den weiteren Vorschlägen zählen eine strengere Ahndung des Gehwegparkens, sowohl von Autos als auch von E-Rollern, sowie baulich getrennte Bereiche für den Fußgänger- und Radverkehr.
Kein Wunder. Wer zahlt, der bestimmt den Inhalt. Und soll der Autofahrer-Dürfen-Alles-Club etwa feststellen, dass der innerstädtische Autoverkehr ein Problem ist? Dann würden ja an dem Ast sägen auf dem sie sitzen.
Nimm ein kleines Kind mit, geh in den Park spazieren, zähle auf, wie viele Radfahrer ohne zu klingeln, mit 0.5 Meter Abstand, überholen.
Ich finde nichts schlimmer als den konstanten Lärm der Autos die an einem vorbei rasen.
Das ist und bleibt das schlimmste.
Das Teilen der Infrastruktur regt natürlich auf, liegt aber auch an den Autos. Der Wunsch nach mehr Ampeln liegt irgendwie auch an den Autos.
Daher sind die Autos immer die Ursache für alles was als Fußgänger aufregt.
Egal ob ich zu Fuß bin, mim Auto oder Rad fahre, ich hasse die stink normalen Scooter. Der Gestank ist unerträglich.
Joa, und ich störe mich an Fußgängern, die über Radwege latschen ohne dabei nach links und rechts zu sehen, sondern auf das Smartphone hinabstarren.
Als Autofahrer ärgere ich mich über Fahrräder und Fußgänger.
Als Fußgänger nerven mich vor allen Dingen E-Scooter-Fahrer.
Das hat man alles aber schon x Male gehört und analysiert. Das Problem bleibt eine Infrastruktur, die vornehmlich auf das Auto ausgelegt ist.
Hier der Artikel über Proxy, so dass man ihn lesen kann ohne Werbeeinnahmen zu generieren:
https://12ft.io/proxy?q=https%3A%2F%2Fwww.n-tv.de%2Fauto%2FHauptfeinde-sind-E-Scooter-und-Radfahrer-article24551408.html
Ganz große Neuigkeiten. Das Auto kriegt den Löwenanteil der Fläche, der Rest wird auf gemurksten zweideutigen Notlösungen zusammen geschoben und gegeneinander ausgespielt. Fussgänger haben kaum direkten Kontakt mit Autos – denn das wäre tödlich. Wo Auto und Fussgänger zusammentreffen, hat der Fussgänger von Anfang an den schwarzen Peter und kriegt vermittelt, dass er da nichts zu suchen hat – oder wie fühlen sie sich, wenn sie eine Straße überqueren, besonders außerhalb einer Ampel?
“Nicht etwa das Auto ist der größte Feind”
Framing vom feinsten. Nichts Anderes hätte ich vom Allgemeinen Deutschen Autohirn-Club erwartet.
Das Fußgänger mit Autos wenig Probleme haben ist logisch, denn das Auto und die Fußgänger teilen sich auch in der Regel nicht den gleichen Platz. Fahrradfahrer hingegen werden oft auf die Gehwege verbannt.