Eine Tour, die ich schon seit Jahren machen wollte: von daheim auf die Edelweißspitze.

An diesem Tag hat endlich alles gepasst. Der Start erfolgte bei Sonnenaufgang aus Richtung Salzburg kommend. Bei Hangendenstein passierte ich die deutsche Grenze und fuhr ein Stück entlang der Deutschen Alpenstraße. Vorbei am Göll mit Obersalzberg und Kehlsteinhaus (unseren Freunden aus Übersee besser bekannt als "Eagle's Nest") dominieren hier der Watzmann, mit 2.713m immerhin der zweithöchste Berg Deutschlands, und die umliegenden Gipfel das Panorama.

Weiter ging es nach Ramsau, wo sich die Pfarrkirche St. Sebastian geradezu pittoresk in die Umgebung einfügt. Von dort führte die Strecke in Richtung Hintersee, vor dem Bergpanorama genauso kitschig schön, wie aus einem Sommerfrischeprospekt vergangener Zeiten.

Dann wartete mit dem legendär-berüchtigten Hirschbichl die erste Prüfung des Tages. Auf perfektem Straßenbelag galt es zwar nicht allzu viele Höhenmeter, dafür aber zwei bis zu 25% steile Teilstücke zu bewältigen. Diese verlangen einen dosierten, aber entschlossenen Einsatz der Beine. Die Passhöhe auf 1.183m erreicht man kurz nachdem man erneut die Grenze, diesmal zurück nach Österreich, in den Pinzgau, passiert hat. Auf der anderen Seite warnt ein Schild vor 30% Gefälle. Hier sollte man vor allem aufgrund des Straßenzustands und der allgegenwärtigen Kuhfladen auf der Abfahrt nicht übermütig werden.

Danach geht es im Mitterpinzgau durch Saalfelden und vorbei am Zeller See bis nach Bruck an der Großglocknerstraße, hier verläuft die Tour ohne große Höhenunterschiede. Immer wieder finden sich Brunnen, um die Wasservorräte aufzufüllen. Für mich ein Muss: Die Großglockner-Hochalpenstraße vom Kilometerstein 0 an in Angriff zu nehmen.

Also hinein ins Fuschertal. Zunächst gemächlich, dann etwas steiler bis zur Mautstelle Ferleiten, die man als Radfahrer zwar gebührenfrei, aber durch die Zählschranke passieren muss. Danach geht es mit maximal 12 % Steigung ins Hochgebirge. Kehre für Kehre verändert sich die Vegetation, bis schließlich die Baumgrenze überschritten wird.

Kurz vor dem Fuscher Törl biegt man links ab, um auf Granitpflastersteinen, die in Kombination mit kurzzeitig 14 % Steigung und der merklich dünneren Luft nochmals Reservekräfte verlangen, den höchsten Punkt der Großglockner-Hochalpenstraße zu erklimmen: die Edelweißspitze auf 2.571m über dem Meeresspiegel. Der Blick auf zahlreiche Gletscher und die höchsten Gipfel der österreichischen Alpen belohnt die Mühen zusätzlich.

Aber hinunter muss man auch wieder. Die bis dahin absolvierten 112 Kilometer und rund 3.000 Höhenmeter waren noch nicht alles für diesen Tag. Die lange Abfahrt beginnt langsam und vorsichtig. Das Kopfsteinpflaster, der Verkehr und die engen Kehren lassen keine hohen Geschwindigkeiten zu. Wieder auf der Hauptstrecke angekommen, erlaubt der Straßenbelag zwar eine flottere Fahrweise, doch auch hier gilt es, defensiv zu fahren.

Zurück in Bruck entschloss ich mich, den Heimweg durch das Salzachtal anzutreten. Im Nachhinein betrachtet vielleicht die falsche Entscheidung, denn bei Lend zwang mich eine Umleitung über zahlreiche zusätzliche Höhenmeter sowie enge und schlechte Straßen auf ein Gelände, das nicht gerade rennradtauglich war. Die B311 als Autostraße stellte ebenfalls keine legale Alternative dar. Zurück über den Hirschbichl wäre aber auch eine echte Prüfung gewesen.

Ab Schwarzach konnte man auf der B159 jedoch wieder zügiger vorankommen. Nach der bisherigen Anstrengung ging mir der Blick auf die Schönheit der Gegend schon etwas verloren, aber wie sich bei Werfen noch die Burg Hohenwerfen in die vom schroffen Tennengebirge dominierte Landschaft einfügt, kann man wahrscheinlich nicht mal übersehen, wenn man dort schon fast vom Fahrrad kippt. Also noch ein Bild gemacht, bevor es in Richtung Pass Lueg auf die letzten Höhenmeter ging. Mit einer Passhöhe von 552m ist dieser zwar kein Riese, nach über 200 Kilometern in den Beinen jedoch deutlich spürbar.

Die anschließende Abfahrt führt in das immer breiter werdende Salzachtal, das sich bereits zum Alpenvorland hin öffnet. Nach 230 Kilometern und rund 3.700 überwundenen Höhenmetern erreichte ich nach 10 Stunden und 16 Minuten, davon 8 Stunden und 50 Minuten reine Fahrzeit, wieder meinen Startpunkt. Das erste Mal über 200km.

Ein paar statistische Daten:

Strecke: 230,1 km
Höhenmeter: 3.714 m
Tiefster Punkt: 439 m
Höchster Punkt: 2.571 m
Durchschnittsgeschwindigkeit: 22,4 km/h
Durchschnittsgeschwindigkeit (aktiv): 26,0 km/h
Normalized Power: 230 W
6600kcal verbraucht, 3300kcal zugeführt => das war auf den letzten 25km dann deutlich spürbar zu wenig.

by Soft_Box3077

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2 Comments

  1. wow 😲 dagegen sind meine Touren ja lächerlich 🥵 richtig krass. Ich kenne das von mir, man hat so Touren, die man schon ewig mal machen wollte, und wenn man sie dann abgehacken konnte, ist das einfach nochmal ein anderes Gefühl als Tour XY. Jedenfalls, danke für den schönen Text, kann man richtig nachempfinden ☺️

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