














Donnerstagnachmittag haben mein Vater und ich in Hamburg den Zug Richtung Wien genommen und kamen mit etwa einer Stunde Verspätung am Dresdner Hauptbahnhof an (Fehler unsererseits, sich auf die Pünktlichkeit der Bahn zu verlassen). Beim Residenzschloss schnell umgezogen und ab auf den Bock.
Insgesamt 80 Kilometer standen für die erste Etappe an. Zeit, sich das schöne Dresden anzuschauen, blieb keine, sonst wären wir erst mitten in der Nacht in der Unterkunft angekommen. Die Strecke zwischen Dresden und Meißen entlang der Elbe ist atemberaubend schön und lädt an vielen Stellen zu ausgiebigen Pausen ein, für die wir leider keine Zeit hatten. Irgendwo an der Route stand ein alter Kran, den wir uns beide wahnsinnig gern angeschaut hätten. Aber auch dafür reichte es nicht, also nur ein kurzer Blick im Vorbeifahren und weiter.
Unsere letzte Mahlzeit des Tages bestand aus jeder Kategorie Lebensmittel, die man an einer verlassenen Tankstelle zwischen zwei Dörfern so bekommt: Chips, Schokolade und Gummibärchen.
Unser erster Übernachtungsstopp war Bad Liebenwerda. Und hier begann ein Muster, das sich die ganze Reise durchziehen sollte: Wir kamen abends an und fuhren morgens wieder los, ohne je die Zeit zu haben, uns mit den Orten wirklich zu beschäftigen. Da wir 220 Kilometer für den nächsten Tag vorhatten, blieb auch für ein entspanntes Frühstück keine Zeit. Stattdessen ging es schnell aufs Rad, und wir sind kräftig in die Pedale getreten.
Mein Vater und ich wollten schon länger eine Fahrradreise zusammen machen, neigen aber beide dazu, uns Challenges vorzunehmen. Das Resultat war keines von beidem. Wir haben also schon auf der Bahnfahrt beschlossen, so viel wie möglich von der Reise zu genießen, mussten aber trotzdem rechtzeitig wieder in Hamburg sein.
Am zweiten Tag haben wir entsprechend ausgiebig Pause gemacht, obwohl wir bei der Distanz eigentlich gar keine Zeit dafür hatten. Um 10 Uhr los, und nach 165 Kilometern gemerkt: Wenn wir so weitermachen, kommen wir wieder erst um 22 Uhr am Ziel an. Da wir beide keinen weiteren Abend auf ein ordentliches Essen verzichten wollten, habe ich mir mit Hilfe von Claude mögliche Busverbindungen raussuchen lassen. Claude hat übrigens mit Bravour abgeliefert, sogar dass die Busse aufeinander warten, wurde recherchiert und mir mitgeteilt. Also nach 165 Kilometern in den Bus, um wenigstens noch beim Italiener einigermaßen ausgiebig zu essen.
Der zweite Stopp war Havelberg, und den kann ich wirklich wärmstens empfehlen. Ein richtig schöner Ort. Umso schader, dass wir auch hier abends ankamen und morgens direkt weiter mussten, denn hier wäre ich gern länger geblieben.
Wie wir uns am nächsten Tag gefühlt haben, nachdem wir neun Stunden auf dem Rad saßen, muss ich, glaube ich, nicht groß erklären. Leichte Krankheitsanzeichen gab es auch schon. Aber es waren nur noch einmal 200 Kilometer, und diesmal hatten wir uns vorgenommen, alle 20 Kilometer Pause zu machen, und zwar immer bis zur vollen Stunde. So haben wir es am letzten Tag tatsächlich in knapp 11 Stunden (inklusive Pausen) geschafft, in Hamburg einzurollen.
Die Reise war also weder eine erfolgreich abgeschlossene Challenge noch eine entspannte Genussreise. Fürs nächste Mal nehmen wir mit: kein zu enger Zeitplan mit langen Etappen, maximal 130 Kilometer am Tag, und Unterkünfte relativ spontan buchen, damit man auch umplanen kann, wenn einen die Neugier auf unbekannte Wege lenkt.
by PromptAny1142
18 Comments
Schokoreis <3
Schöne Tour von euch.
Elberadweg ist immer wieder schön und an der ganzen Strecke, gibt es immer wieder so unglaublich schöne Städte und Orte.
Ich kann auch immer empfehlen sich zu zweit bzw. generell in der Gruppe nicht zu krasse Strecken vorzunehmen, gerade wenn man nicht nur ballern will. Man fährt einfach anders als alleine und das hat nicht mal unbedingt was mit dem Fitnesslevel des Mitfahrers zu tun. Die Pausen sind ein bisschen länger, man quatscht immer mal, jeder will mal woanders halten und das Tempo orientiert sich immer an dem, der gerade etwas langsamer fahren will/muss. Strecken, die ich alleine easy peasy und entspannt an einem Tag schaffe, arten bei mir mit Mitfahrer auch immer in Stress aus.
Sieht trotzdem nach einem tollen Erlebnis aus und Respekt an euch Beide, dass ihr solche Strecken innerhalb von drei Tagen wuppt.
Falls ihr die Tour noch einmal machen wollt, dann empfehle ich euch, dass ihr auf der tschechischen Seite anfangt. Zwischen Dresden und Meißen ist es zwar schön, aber dort fande ich es noch besser. Da ist die Landschaft auch etwas abwechslungsreicher als die zweite Hälfte zwischen Dresden und Hamburg, wo man so oft nur neben dem Deich fährt und kaum was sieht.
Edit: Oder generell mal die Strecke Dresden-Prag probieren. Die ist empfehlenswert.
Das sieht richtig toll aus. Freut mich dass ihr eine gute Zeit hattet.
Und gut, dass das mit dem Zug und Bus geklappt hat. Oft genug geht das schief und dann steht man da 🥲
Tolle Bilder!
ich finde den Elberadweg zwischen Riesa und Magdeburg ziemlich unterwältigend. Der Rest ist echt toll und Abwechslungsreich zwischen Dresden und Hamburg, aber der Part war ein bisschen öde und ohne viel Rad-/Touriinfrastruktur.
Ansonsten ist der neue Regiojet mit Fahrradreservierungen zwischen DD und Hamburg natürlich auch ein Segen.
Ein Freund sagte mir mal, dass man wegen des Windes besser Elbaufwärts fährt. Können das Erfahrene hier bestätigen oder dementieren?
Mal ne Frage zu den Fahrrad Abteilen: bekommt ihr die da immer eingehängt? Ich hatte letztes Mal Probleme weil ich zwar ein Fahrradticket hatte aber auch an so einen hängeplatz sollte aber meine Felge oder Reifen da nicht rein passen wollten. Tiefe gravel Felgen. Bin ich zu doof?
Ihr habt nach Dresden als ersten Übernachtungsstop Bad Liebenwerda angefahren? Das liegt doch gar nicht an der Elbe ^^
Bro was ist das denn für ein Fahrradabteil? Fck Regio 🙁
Schöne Tour, auch wenn ihr leider nicht die Zeit hattet sie ausgiebig zu genießen 👌🏻
Darfich fragen wie du für eure Tour Unterkünfte gefunden hast?
Einfach entlang der Route gegoogelt und gebucht, oder gibt’s dafür nen Tool?
Cheers 💪🏻
Alte Kräne gibt es in Dresden tatsächlich mehrere.
Einen im Elbhafen Neustadt, da wurde eine Eisdiele eingerichtet. Kann man sich mal gönnen 🙂
Der nächste steht in Übigau, nicht direkt am Elbradweg, den sieht man nur von der Ferne. Da gibt es einen mehr oder weniger Fahrradfreundlichen Pfad hin.
Und dann gibt’s noch ein Stück weiter auf der anderen Elbseite die Gohliser Windmühle. Nicht ganz ein Kran, aber auch groß und alt 😉
Wenn ihr direkt vorbeigefahren seid, wird es wohl der [Historische Hafenkran Neustadt](https://maps.app.goo.gl/4eWEDQnCDJ3QN79y6) gewesen sein.
Als Meißner kann ich nur bestätigen, dass der Elberadweg hier in der Region super ist. Da kann ich meine täglichen Trainingsrunden fernab des Autoverkehrs fahren und der Untergrund passt immer.
Schöne Tour habt ihr da gemacht! 👍
220 km sind 7,5 Std Fahrtzeit. Da bleibt wunderbar Zeit für Frühstück und abends ein bisschen Ort anschauen inkl. Abendessen. Allerdings sollte man dann in der Lage sein, entspannt 30 zu fahren. Ansonsten sind 220 km am Tag halt einfach eine krasse Selbstüberschätzung.
Haste wenigstens auch paar Bilder von deinem Papa geknipst ? ;P
Geiles ding
Klingt insgesamt ziemlich stressig, aber schön das du dennoch was positives mitnimmst. Freu mich auf jeden Fall über die Vater Sohn tour. Das ist toll, egal wie anstrengend es letztlich war 🙂
Letztes Jahr auch gemacht, fands richtig gut