Das Bundesverkehrsministerium hat die Halbzeitbilanz des Nationalen Radverkehrsplans 3.0 veröffentlicht. Das Ergebnis aus Sicht des ADFC: Deutschland ist bei den eigenen Zielen für den Radverkehr nicht auf Kurs.

Eigentlich sollte sich die mit dem Fahrrad zurückgelegte Verkehrsleistung bis 2030 verdoppeln. Tatsächlich ist sie seit 2017 jedoch nur um 5,4 Prozent gestiegen. Auch die allgemeine Fahrradnutzung wächst deutlich langsamer als erforderlich. Besonders besorgniserregend ist dabei, dass die Nutzung des Fahrrads bei Kindern und Jugendlichen sogar zurückgeht.

Auch bei der Verkehrssicherheit bleibt die Entwicklung hinter den Erwartungen zurück. Obwohl der Nationale Radverkehrsplan dem Leitbild der Vision Zero folgt, lag die Zahl der getöteten Radfahrenden im Jahr 2024 mit 445 Todesopfern auf dem Niveau des Jahres 2019. Das Ziel, die Zahl der getöteten Radfahrenden bis 2030 um 40 Prozent zu senken, scheint mit dem bisherigen Kurs kaum erreichbar.

Als eines der Hauptprobleme sieht der ADFC den fehlenden systematischen Netzausbau. Zwar entstehen vielerorts einzelne, durchaus gute Radwegeprojekte, ein durchgängiges und sicheres Radwegenetz existiert jedoch weiterhin nicht. Statt eines zusammenhängenden Netzes gibt es vielerorts noch immer nur einen Flickenteppich aus Einzelmaßnahmen, großen Netzlücken und unsicheren Verbindungen, insbesondere zwischen Kommunen und im ländlichen Raum.

Hinzu kommt, dass die Finanzierung deutlich hinter den eigenen Ansprüchen zurückbleibt. Für den Ausbau sicherer Radwegenetze waren ursprünglich Investitionen von 30 Euro pro Einwohner und Jahr vorgesehen. Tatsächlich werden derzeit lediglich rund 14 Euro investiert. Auch bei der Verknüpfung von Fahrrad und öffentlichem Verkehr sieht die Evaluation kaum Fortschritte.

Der ADFC fordert deshalb einen verbindlichen Bund-Länder-Vertrag mit klaren Ausbauzielen, langfristig gesicherter Finanzierung und bundesweiten Qualitätsstandards, um den Ausbau sicherer und attraktiver Alltagsradnetze endlich verbindlich voranzubringen.

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EDIT: Habe gerade noch dieses Zitat von Patrick Schnieder (Bundesverkehrsminister, CDU) auf der Seite des BMV gefunden, die die Entwicklung (natürlich) positiver darstellt:

"Überall im Land wird intensiv am Radverkehr gearbeitet – mit mehr Fördermitteln, neuen rechtlichen Grundlagen und spürbaren Fortschritten bei Personal und Infrastruktur. Gleichzeitig zeigt die Zwischenevaluation deutlich, dass wir gemeinsam den Radverkehr noch attraktiver und sicherer machen müssen, damit alle Bürgerinnen und Bürger gleichermaßen gerne aufs Rad steigen. Viele der jüngsten Maßnahmen werden auch ihre langfristige Wirkung noch zeigen."

"Wir unterstützen Länder und Kommunen bei der Umsetzung vor Ort. Das tun wir, indem wir die zentralen Voraussetzungen für einen modernen Radverkehr geschaffen haben – mit dem NRVP*, einer umfassenden Förderung und der Reform der Straßenverkehrs-Ordnung, in der wir den Handlungsspielraum für Kommunen erweitert haben, passende Flächen für den Radverkehr bereitzustellen. In der zweiten Hälfte der Laufzeit des* NRVP ist unsere Richtung klar: durchgängige, sichere Radverkehrsnetze und ein besonderer Fokus auf Kinder und junge Menschen."

by LepraZebra

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4 Comments

  1. Gut das jemand dazu eine Studie gemacht hat. Wäre mir jetzt gar nicht aufgefallen wie Mangelhaft die Fahrradinfrastruktur in Deutschland ist..

  2. SentenceOk1977 on

    Und dann gibts noch Clowns wie die CDU, die bestehende (!) Rad-Infrastruktur in Berlin zurückbauen…

  3. Die Stadt hat hier eine Fahrradstraße am Klärwerk errichtet. Mit richtig viel Farbe und sogar Ampeln.

    Was früher eine ruhige Ecke war, kostet jetzt extra Zeit und man muss Zeit für die Ampel einrechnen.
    Ich verstoße dreimal gegen die Verkehrsordnung, wenn ich da über die Brücke fahre.

    ….während in der Stadt, wo überall Anbindungen an die Trasse fehlen, nichts passiert und es an jeder Ecke super gefährlich ist, weil die Radwege höchstens mal 200m und durch Bushaltestellen durch geplant wurden, als vor ein paar Jahren die Innenstadt neu gemacht wurde. Autos haben mehrere Spuren dazu bekommen.

    Das sind Schildbürgerstreiche, die die Verkehrsplanung da macht. Die interessiert es null, was aus Radfahrern wird. Ich denke eher, die wollen das Geld nur irgendwo bei einer lokalen Firma ausgeben und im nächsten Jahr dann wieder was bekommen.

  4. Ich bin immer noch der festen Meinung, dass jeder Verkehrspolitiker und Verkehrsplaner mit dem radl pendeln muss (verpflichtend für einen bestimmten Zeitraum aber mindestens 3monate je wichtiger die Position desto länger). Könnte diverse Problemlösungen beschleunigen.

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