🚴♂️ AUDAX 600 km Brevet 2026 | Kiel – Billund – Nordsee – Kiel | Teil 4 (Finale). Willkommen zum großen Finale unseres AUDAX 600 km Brevets 2026. Über 635 Kilometer liegen inzwischen hinter uns. Die meisten Fahrer haben ihre persönliche Strategie gewählt: Einige schlafen in Hotels, andere in Sheltern oder Bushaltestellen. Für mich beginnt nun auf der deutschen Seite der Grenze der letzte große Abschnitt Richtung Kiel.
💤 Nach und nach haben mich meine Mitstreiter verlassen. Die einen verschwinden für einige Stunden im Shelter, andere suchen sich ein Hotel für die zweite Nacht. Bei Kilometer 444 um Punkt 17:00 Uhr bin ich schließlich komplett auf mich allein gestellt. Die Müdigkeit schlägt inzwischen spürbar zu und so lege ich mich in einer kleinen Bushaltestelle auf den Rücken, in der Hoffnung, dass mich vielleicht bald eine Gruppe einholt.
Doch daraus wird kein echter Powernap. Nach gerade einmal zwei oder drei Minuten rauscht plötzlich eine kleine Radgruppe vorbei. Der typische Sound von Freiläufen und Reifen auf Asphalt lässt mich sofort aufspringen. Wenige Augenblicke später sitze ich wieder auf dem Rad und schließe zu Carstens Gruppe auf. Eine spontane Entscheidung, die mich schließlich bis ins Ziel begleiten wird.
🌾 Gemeinsam kämpfen wir uns durch die weite Marschlandschaft Dithmarschens. Auf den erhöhten Sommerdeichen bläst uns ein kräftiger Westwind entgegen. Um Kraft zu sparen, fahren wir in einer klassischen Vogelformation – nicht hintereinander, sondern seitlich versetzt. Einer arbeitet im Wind, die anderen profitieren vom Windschatten. Kilometer für Kilometer schieben wir uns so Richtung Nordsee.
🐑 Immer wieder passieren wir Schafgatter, öffnen Tore und rollen durch große Herden. Die Landschaft wirkt grenzenlos. Rechts und links reicht der Blick bis zum Horizont. Für mich folgt nun das landschaftliche Highlight der gesamten Tour: die Fahrt entlang einer riesigen Salzwasserlagune voller Gänse, Enten und anderer Wasservögel. Eine beeindruckende Naturkulisse, die man auf einer Radreise wohl nie vergisst.
⚓ Über Husum erreichen wir später Friedrichstadt. Im Hafen herrscht Ebbe, die Boote liegen im Schlick und mehr als 500 Kilometer liegen bereits hinter uns. Um 21:00 Uhr erreichen wir den fünften Kontrollpunkt am berühmten Pizza-Automaten. Eigentlich möchte ich eine Pizza essen, doch der Magen spielt nach der langen Belastung nicht mehr mit. Am Ende wird es nur eine halbe Portion Pommes. Selbst Essen wird jetzt zur Herausforderung.
🌙 Mit Einbruch der Dunkelheit beginnt die zweite Nacht. Noch einmal werden die Lampen montiert und wir rollen weiter Richtung Kiel. Kurz vor Mitternacht setzen wir bei Oldenbüttel mit der Fähre über den Nord-Ostsee-Kanal über. Die Gespräche werden weniger, die Müdigkeit größer und die Geschwindigkeit sinkt spürbar. Nach dem letzten Kontrollstempel in Legan liegen zwar nur noch rund 60 Kilometer vor uns, doch genau diese letzten Kilometer werden zu den härtesten der gesamten Fahrt.
😵 Fast 48 Stunden Wachzeit, Schlafentzug, schmerzendes Gesäß und müde Beine fordern ihren Tribut. Jetzt geht es nicht mehr um Geschwindigkeit, sondern nur noch darum, weiterzufahren.
🏁 Um 3:44 Uhr morgens erreichen wir schließlich Kiel. Nach rund 32 Stunden Fahrzeit und insgesamt 635 Kilometern endet dieses Abenteuer mit einem letzten Finisher-Foto. Glücklich, erschöpft und stolz treten wir den Heimweg an. Wenig später falle ich ins Bett – und brauche keine Sekunde mehr, um einzuschlafen.
Kommt mit auf die letzten Kilometer dieser außergewöhnlichen Reise und erlebt die Faszination von Audax, Randonneuring und Ultracycling bis zum Finish.
📍 Strecke (Teil 4)
Nordfriesland – Dithmarschen – Beltringharder Koog – Husum – Friedrichstadt (CP5) – Oldenbüttel (NOK-Fähre) – Legan (CP6) – Kiel
Den kompletten Track dieser 635-km-Audax-Fahrt könnt ihr hier auf Strava ansehen:
👉 https://www.strava.com/activities/18769964420 👈
📊 AUDAX 600 km Brevet 2026
• Distanz: 600 km (tatsächlich gefahren: 635 km)
• Höhenmeter: ca. 2.500 m
• Zeitlimit: 40 Stunden
• Kontrollstellen: 6
• Starter: 71
• Finisher: 50 (70,4 %)
• DNF: 16 (22,5 %)
• DNS: 5 (7,0 %)
⏱️ Kapitel / Zeitstempel
00:00 🚴 Intro: Zurück in Deutschland (Km 444)
00:37 💤 Die einsame Bushaltestelle & Der 3-Minuten-Retter
01:54 🔊 Kette rechts! Anschluss an Carstens Gruppe
03:05 🌾 Vogelformation im harten Westwind durch Dithmarschen
06:35 🐑 Gatter-Slalom & Vorsicht vor den Deichlämmern
09:12 📸 Fotostopp: Leerer Priel im Gegenlicht
10:00 🦆 Das landschaftliche Highlight: Die Salzwasserlagune
13:02 ⚓ Husum im Tief: Schlick und totale Ebbe am Innenhafen
14:04 🍟 Checkpoint 5: Friedrichstadt (Km 516) & Das Pommes-Dilemma
17:33 🌙 Hinein in die gnadenlose zweite Nacht
18:14 ⛴️ NOK-Fähre Oldenbüttel (Km 558) & Traktor-Shooting
20:34 📮 Checkpoint 6: Legan (Km 576) – Der finale Stempel
21:42 💥 Die härtesten 60 km: Schlafentzug & Sattelschmerzen
23:11 🏁 Das Ziel in Kiel! 635 km geschafft um 3:44 Uhr
9 Comments
Ein riesiges Dankeschön an alle, die die komplette Reise bis hierher begleitet haben! 🚴♂🙂 Mit diesem vierten Teil endet das 635 km lange Abenteuer von Kiel über Billund, die dänische Nordseeküste und wieder zurück nach Kiel. Wenn ich die Aufnahmen heute sehe, fällt mir vor allem auf, wie sehr sich der Charakter der Fahrt im letzten Abschnitt verändert hat.
Die ersten 200 Kilometer waren noch geprägt von großen Gruppen und hohem Tempo. Im Finale war davon kaum noch etwas übrig. Nach und nach hatten sich die Fahrer ihre ganz eigene Strategie zurechtgelegt. Einige steuerten Hotels oder Shelter an, um ein paar Stunden zu schlafen, andere fuhren weiter. Ich fand es spannend zu erleben, wie sich auf einer so langen Strecke immer wieder neue kleine Gruppen bilden und wieder auflösen.
Mein geplanter Powernap in der Bushaltestelle ist dafür ein schönes Beispiel. Eigentlich wollte ich mich dort etwas ausruhen und abwarten, was passiert. Nach zwei oder drei Minuten hörte ich dann das typische Surren einer vorbeifahrenden Radgruppe, sprang wieder aufs Rad und schloss auf. Von da an fuhren wir zu viert bis ins Ziel – manchmal entscheidet der Zufall eben über den weiteren Verlauf einer Tour.
Besonders in Erinnerung bleiben wird mir aber die Fahrt durch Dithmarschen und entlang des Wattenmeers. Auf den Aufnahmen wirkt der Gegenwind oft gar nicht so dramatisch, tatsächlich mussten wir dort aber ordentlich arbeiten. In der Vogelformation wechselten wir uns ständig ab und kamen trotzdem nur langsam voran. Dafür wurde man mit einer Landschaft belohnt, die für mich zu den schönsten der gesamten Strecke gehört.
Die zweite Nacht war dann noch einmal eine ganz eigene Herausforderung. Nach fast 48 Stunden Wachzeit werden selbst die letzten 60 Kilometer erstaunlich lang. Irgendwann geht es nicht mehr um Tempo oder Bestzeiten – sondern einfach nur noch darum, das Ziel zu erreichen.
💬 Mich würde interessieren: Wie hättet ihr einen 600er gefahren? Möglichst komplett non-stop oder mit einer bewusst eingeplanten Schlafpause in Hotel, Shelter oder Bushaltestelle? Schreibt es gerne in die Kommentare!
Vielen Dank fürs Mitfahren, Kommentieren und den tollen Austausch unter der gesamten Videoserie. Es hat mir viel Freude gemacht, diese Brevetfahrt noch einmal mit euch zu erleben.
Viele Grüße
Guido
Vielen Dank fürs Mitnehmen! ❤
Meinen vollen Respekt für die Leistung,, ich fahr auch mal ne längere Strecke auch über Tage. Aber sowas könnte ich nicht, gerade mit soviel Schlafentzug.
😂… die haben mich alle angesteckt mit ihrem Geschlafe… 😂
Klasse Leistung habt ihr da alle geliefert. Hat Spaß gemacht euch zuzusehen. Kann ich gut verstehen, dass man dann zu Hause ins Bett fällt und innerhalb von einer Sekunde einschläft.
"Alles, was extrem ist, ist Mist" sagt der Genusstourenradler
von mir auch ein herzliches Dankeschön für die Mitnahme.
Du hast von Dithmarschen gesprochen, bist aber noch tief in Nordfriesland gewesen. Die Salzwasser Lagune Bredstedt und auf dem Weg nach Husum…..tiefes NF. DITHMARSCHEN ist mehr eine Insel wie Eiderstedt eine Halbinsel. Dithmarschen hat die Eider im Norden, den Nord Ostsee Kanal im Osten, die Elbe im Süden und die Nordsee im Westen als Grenze.
Es gibt doch dieses tolle Dithmarschen Brevet. Sind was bei 220km. ❤
Grossartig, vielen Dank für‘s Mitnehmen. Meinen letzten 600er musste ich wegen Hitze abbrechen, ich habe echt immer noch größten Respekt davor… also Hut ab!
Hallo, schön Sie wieder einmal bei einem Brevet begleiten zu dürfen.Die Aufnahmen und der Schnitt sind einfach super.