
Der Farbton ist ein Klassiker und nennt sich "Celeste" (eine Art Himmelblau). Das Rad wird auf Wikipedia mit 1947 verortet, aber ein Hinweis meint es stammt aus 1950-52. Die Felgen sind anscheinend aus Holz, das Carbon der 50er sozusagen.
Die Schaltung liegt hinten, was ich mir wirklich nur schwer vorstellen kann! Weiß jemand, was der obere Hebel macht? Der untere scheint die Kette zu werfen.
Es steht im "Museo scienza e tecnologia Milano".
Fundort: Wikipedia
by baIIern
7 Comments
75 Jahre Fahrradentwicklung nur um am Ende wieder bei einem Kettenblatt vorn zu landen. /s
[Hier ein kurzes Video](https://www.youtube.com/watch?v=mvyd92ehmts) über die Funktionsweise der Campa Corsa.
Wuerde schon sagen, dass sich einiges geaendert hat
Das ist sogar eins der letzten eher „altmodischen“ Rennräder im Stil des frühen 20. Jahrhunderts. Nur wenig später, spätestens in den 60ern sind wir dann bei Rennrädern die deutlich moderner sind. Alufelgen und deutlich benutzerfreundlichere Kettenschaltungen (Schaltwerk mit integriertem Kettenspanner, Rahmenschalthebel für Umwerfer und Schaltwerk über Bowdenzüge). Ein Rennrad aus den 60ern kann man heute noch problemlos fahren.
Eine Cambio Corsa zu schalten und mit Gefühl während der Fahrt die Hinterachse zu lösen, ist da was ganz anderes!
Man muss dazu sagen dass es erstaunlich moderne Kettenschaltungen schon in den 20ern und 30ern in Frankreich gab. Sie hatten sich nur bei den Profis noch nicht durchgesetzt. Das Buch „The Dancing Chain“ von Frank Berto bietet da einen hervorragenden Überblick.
Die “Schaltung“ funktioniert so, dass du die Hinterachse löst und die Kettenspannung zu entfernen, dann die Kette auf ein anderes Ritzel würgen, hoffen, dass das Hinterrad wieder nach hinten rutscht und dann die Hinterachse wieder festspannen. Wer dabei mit Kraft antritt, zieht sich das Hinterrad raus und bricht sich Hand und Schlüsselbein. Das ganze bitte auf dem Stelvio der damals eine staubige oder schlammige Schotterpiste war. Fremde Hilfe anzunehmen bedeutede Disqualifikation. Fausto Coppi, Gino Bartali, Cino Chinelli… hießen die Fahrer die mit sowas unterwegs waren.
Tullio Campagnolo hatte einige gute Ideen, einige schlechte und einige lebensgefährliche. Die Corsa ordne ich in die letzte Kategorie.
btw: Eschenholzfelgen mit Schlauchreifen sind wir in den 1980ern noch auf der Bahn gefahren. 120er Hochflanschnabe ohne Freilauf. Wer aufhört zu spulen wird vom Esel getreten.
Als jemand, der ein Fahrrad von ca. 1977 fährt, kann ich sagen, daß sich bei genauerem Hinsehen zwischen ca. 1950 und jetzt schon sehr viel geändert hat, sowohl bei den Stadt- und Tourenrädern (wo damals z.B. Reifendynamos für die Beleuchtung Standard waren (Akkus noch kein Thema und Nabendynamos sehr selten) und eine Gangschaltung nicht immer vorhanden, meines hat z.B. einen Reifendynamo und keine Gangschaltung), als auch bei den Rennrädern (siehe die in den anderen Kommentaren beschriebene eigenartige Gangschaltung dieses Modells). Klar, am grundlegenden Erscheinungsbild eines Fahrrads hat sich seit den 1880ern (!) (safety bicycle) nicht mehr viel geändert, aber an der Technik schon.