Der Fall wirft für mich eine grundsätzliche Frage auf: Warum müssen wir in so vielen Bereichen regelmäßig unsere Kenntnisse, Fähigkeiten oder gesundheitliche Eignung nachweisen, beim Führen eines Kraftfahrzeugs hingegen in der Regel nur ein einziges Mal? Selbst ein Erste-Hilfe-Kurs, den ich für sinnvoll erachte, wird bei den meisten Autofahrenden nach der Führerscheinprüfung nie wieder aufgefrischt.
Gleichzeitig bewegen Autofahrende Fahrzeuge mit hohem Gefährdungspotenzial. Dennoch kann man mit einem Führerschein jahrzehntelang am Straßenverkehr teilnehmen, unabhängig davon, ob sich die Verkehrsregeln, das Sehvermögen, die Reaktionsfähigkeit oder die persönliche Fahreignung verändert haben.
Deshalb halte ich regelmäßige, altersunabhängige Eignungsüberprüfungen für eine sinnvolle Diskussion. Nicht als Strafe, sondern um sicherzustellen, dass diejenigen, die ein Fahrzeug führen, dieses auch sicher in der Öffentlichkeit bewegen können. Denn was nützt der regelmäßige TÜV für ein technisch einwandfreies Fahrzeug, wenn die fahrende Person selbst zum größten Sicherheitsrisiko geworden ist?
Gerade solche Fälle wie dieser oder r/RentnerfahreninDinge zeigen, dass Verkehrssicherheit nicht nur eine Frage der Technik ist, sondern vor allem eine Frage menschlicher Fähigkeiten und Verantwortung.
Reifendruckventil on
Das ist aber die strafe für fahrlässige tötung. Ins gefängnis wär der nur gekommen, wenn er alkhol vorher konsumiert oder eine berufliche pflicht verletzt hätte. Das problem liegt eher darin, dass in Deutschland der verkehr an vielen stellen nicht auf radfahrer ausgelegt ist, teilweise durch unfähigkeit oder gar trotz der verantwortlichen. Ja, ab und zu überfährt man eine rote ampel, eine haftstrafe ist da ungerechtfertigt.
Weiser-Alter-Mann on
Bei unserem Rechtssystem geht es nicht um Rache, sondern um Resozialisierung und Vorsatz. Wenn du dir Musik illegal runterlädst, dann machst du das vorsätzlich. Der Autofahrer hatte sicher nicht vor, einen Menschen zu überfahren. So tragisch und schlimm das ist, was soll es denn unserer Gesellschaft nützen, den Typen jetzt für Jahre ins Gefängnis zu schmeissen?
Der Unterschied liegt doch im Vorsatz. Die Welt wird nicht gerechter, wenn du Fahrlässigkeit genauso wie Vorsatz behandelst.
Living_Tonight2057 on
Man muss in diesen Fällen immer im Kopf haben, dass das nur die strafrechtliche Seite ist. Auch wenn das Ergebnis schlimm ist, kann es gut sein, dass die individuelle Schuld nicht besonders schwer wiegt und ich kann mir auch gut vorstellen, dass der Fahrer sehr unter dem Unfall leidet. Eine Strafe kann dann wenig Wirkung im Sinne der Strafzwecke zeigen.
Eigentlich interessanter und v.a. wichtiger ist die fahrerlaubnisrechtliche Betrachtung. Die zuständige Fahrerlaubnisbehörde kann und sollte derartige Unfälle zum Anlass nehmen, die Fahreignung zu prüfen und die Fahrerlaubnis ggf. auch entziehen.
Anlassunabhängige Kontrollen sind leider nicht vorgesehen und können ohne gesetzliche Grundlage auch nicht angeordnet werden. Ich halte es aber ebenfalls für sinnvoll, ab einem gewissen (wissenschaftlich fundiert gewähltem) Alter generelle Kurztests bzgl. Sicht, Reaktion und Motorik sowie relevante Medikationen durchzuführen. Derartige Fälle sind zwar nicht das größte Problem auf der Straße, sie sind aber trotzdem ein relevantes Phänomen, das auch eher zu- als abnimmt. Da wäre ein Tätigwerden des Gesetzgebers wirklich wünschenswert – angesichts des Alters des Wahlvolkes allerdings wohl nicht gerade beliebtheitsfördernd.
SafetyTraditional395 on
Der arme Mann kann wahrscheinlich kaum noch laufen geschweige denn sehen und kann jetzt quasi drei Monate seine Wohnung nicht verlassen. Das ist echt nicht verhältnismäßig. /s
MacGyver1980 on
Schrecklich!!
Egal wie gut man selbst aufpasst – auf andere kann man sich nicht mit verlassen.
Gefängnis wäre meiner Meinung nach auch nicht zielführend. 5k Schmerzensgeld sind jedoch viel zu wenig und 3 Monate fahrerlaubnis Entzug sind ein Witz! Meiner Meinung nach sollte er nie wieder ein Kfz bedienen dürfen.
Schützt euch selbst so gut es geht!
Tragt einen Helm!
Eine regelmäßige Fahr-Tauglichkeits Prüfung macht absolut Sinn!
9 Comments
Zunächst einmal mein herzliches Beileid den Angehörigen und allen Betroffenen.
Anbei der Artikel zum Screenshot, um sich einen Überblick zu verschaffen:
[https://www.mdr.de/nachrichten/thueringen/nord-thueringen/unstrut-hainich/radfahrerin-tot-fahrlaessige-toetung-urteil-100.html](https://www.mdr.de/nachrichten/thueringen/nord-thueringen/unstrut-hainich/radfahrerin-tot-fahrlaessige-toetung-urteil-100.html)
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Der Fall wirft für mich eine grundsätzliche Frage auf: Warum müssen wir in so vielen Bereichen regelmäßig unsere Kenntnisse, Fähigkeiten oder gesundheitliche Eignung nachweisen, beim Führen eines Kraftfahrzeugs hingegen in der Regel nur ein einziges Mal? Selbst ein Erste-Hilfe-Kurs, den ich für sinnvoll erachte, wird bei den meisten Autofahrenden nach der Führerscheinprüfung nie wieder aufgefrischt.
Gleichzeitig bewegen Autofahrende Fahrzeuge mit hohem Gefährdungspotenzial. Dennoch kann man mit einem Führerschein jahrzehntelang am Straßenverkehr teilnehmen, unabhängig davon, ob sich die Verkehrsregeln, das Sehvermögen, die Reaktionsfähigkeit oder die persönliche Fahreignung verändert haben.
Deshalb halte ich regelmäßige, altersunabhängige Eignungsüberprüfungen für eine sinnvolle Diskussion. Nicht als Strafe, sondern um sicherzustellen, dass diejenigen, die ein Fahrzeug führen, dieses auch sicher in der Öffentlichkeit bewegen können. Denn was nützt der regelmäßige TÜV für ein technisch einwandfreies Fahrzeug, wenn die fahrende Person selbst zum größten Sicherheitsrisiko geworden ist?
Gerade solche Fälle wie dieser oder r/RentnerfahreninDinge zeigen, dass Verkehrssicherheit nicht nur eine Frage der Technik ist, sondern vor allem eine Frage menschlicher Fähigkeiten und Verantwortung.
Das ist aber die strafe für fahrlässige tötung. Ins gefängnis wär der nur gekommen, wenn er alkhol vorher konsumiert oder eine berufliche pflicht verletzt hätte. Das problem liegt eher darin, dass in Deutschland der verkehr an vielen stellen nicht auf radfahrer ausgelegt ist, teilweise durch unfähigkeit oder gar trotz der verantwortlichen. Ja, ab und zu überfährt man eine rote ampel, eine haftstrafe ist da ungerechtfertigt.
Bei unserem Rechtssystem geht es nicht um Rache, sondern um Resozialisierung und Vorsatz. Wenn du dir Musik illegal runterlädst, dann machst du das vorsätzlich. Der Autofahrer hatte sicher nicht vor, einen Menschen zu überfahren. So tragisch und schlimm das ist, was soll es denn unserer Gesellschaft nützen, den Typen jetzt für Jahre ins Gefängnis zu schmeissen?
Wahrscheinlich ein SUV. Ich habe eben im Deutschlandfunk einen Beitrag gehört, in dem gegen Ende SUVs aufgrund ihrer ›stumpfen‹ Form als größte Gefahrenquelle für Radfahrer benannt wurden. Quelle: [Gesichter Europas: Voller, schneller, gefährlicher – Radfahren in den Niederlanden](https://share.deutschlandradio.de/dlf-audiothek-audio-teilen.html?audio_id=dira_01FC788C5F5F11F1775AB883034C2FA0)
3 Monate Fahrverbot ist echt verrückt.
Der Unterschied liegt doch im Vorsatz. Die Welt wird nicht gerechter, wenn du Fahrlässigkeit genauso wie Vorsatz behandelst.
Man muss in diesen Fällen immer im Kopf haben, dass das nur die strafrechtliche Seite ist. Auch wenn das Ergebnis schlimm ist, kann es gut sein, dass die individuelle Schuld nicht besonders schwer wiegt und ich kann mir auch gut vorstellen, dass der Fahrer sehr unter dem Unfall leidet. Eine Strafe kann dann wenig Wirkung im Sinne der Strafzwecke zeigen.
Eigentlich interessanter und v.a. wichtiger ist die fahrerlaubnisrechtliche Betrachtung. Die zuständige Fahrerlaubnisbehörde kann und sollte derartige Unfälle zum Anlass nehmen, die Fahreignung zu prüfen und die Fahrerlaubnis ggf. auch entziehen.
Anlassunabhängige Kontrollen sind leider nicht vorgesehen und können ohne gesetzliche Grundlage auch nicht angeordnet werden. Ich halte es aber ebenfalls für sinnvoll, ab einem gewissen (wissenschaftlich fundiert gewähltem) Alter generelle Kurztests bzgl. Sicht, Reaktion und Motorik sowie relevante Medikationen durchzuführen. Derartige Fälle sind zwar nicht das größte Problem auf der Straße, sie sind aber trotzdem ein relevantes Phänomen, das auch eher zu- als abnimmt. Da wäre ein Tätigwerden des Gesetzgebers wirklich wünschenswert – angesichts des Alters des Wahlvolkes allerdings wohl nicht gerade beliebtheitsfördernd.
Der arme Mann kann wahrscheinlich kaum noch laufen geschweige denn sehen und kann jetzt quasi drei Monate seine Wohnung nicht verlassen. Das ist echt nicht verhältnismäßig. /s
Schrecklich!!
Egal wie gut man selbst aufpasst – auf andere kann man sich nicht mit verlassen.
Gefängnis wäre meiner Meinung nach auch nicht zielführend. 5k Schmerzensgeld sind jedoch viel zu wenig und 3 Monate fahrerlaubnis Entzug sind ein Witz! Meiner Meinung nach sollte er nie wieder ein Kfz bedienen dürfen.
Schützt euch selbst so gut es geht!
Tragt einen Helm!
Eine regelmäßige Fahr-Tauglichkeits Prüfung macht absolut Sinn!