



Sorry für den Clickbait-Titel!
Es ist kein Geheimnis, dass die Niederlande und Deutschland in Sachen Fahrradinfrastruktur in unterschiedlichen Ligen spielen. Auf diesem Subreddit sehe ich auch oft Lob für die niederländische Fahrradinfrastruktur. Als gebürtiger Niederländer möchte ich hier nun einen entscheidenden Teil der niederländischen Infrastruktur vorstellen, der relativ einfach und (was vielleicht noch wichtiger ist) kostengünstig in Deutschland eingesetzt werden kann.
Das Prinzip ist einfach:
- Jede Straße ohne Radweg verfügt über verkehrsberuhigende Maßnahmen.
- Jede Straße ohne verkehrsberuhigende Maßnahmen hat einen separaten Radweg.
Mit dieser Regel sorgt man dafür, dass fast jede Straße in einer Stadt sicher zum Radfahren ist. In niederländischen Städten ist dieses Prinzip so selbstverständlich, dass die meisten Niederländer es gar nicht bemerken. Man merkt es nur, wenn es nicht vorhanden ist, wie ich es derzeit in meiner Wohnstadt Berlin erlebe.
Ich frage mich vor allem, warum dies in Deutschland nicht der Fall ist. Wie kann es sein, dass es im Land der DIN und der „Ordnung muss sein” keine solchen Standardregeln für Radwege und verkehrsberuhigende Maßnahmen gibt?
Anmerkungen zu den Fotos:
- Keine verkehrsberuhigenden Maßnahmen, daher separater Radweg.
- Verkehrsberuhigende Maßnahmen, daher kein separater Radweg erforderlich.
- Dito.
- Inzwischen in Deutschland… (auf einer Straße mit sehr hohem Radverkehrsanteil!).
Wie kann man die Verkehrswende in Städten vorantreiben? Jedes Wohngebiet mit „continues sidewalks” und Aufpflasterung ausstatten und alle großen Straßen mit Radwegen versehen. Das ist nichts Revolutionäres, eure westlichen Nachbarn haben vorgemacht, wie es geht.
Mit freundlichen Grüßen
Ein Niederländer
by eenachtdrie
11 Comments
Aber dann kann ich ja in der 30er Zone nicht mehr 70 fahren???
Also ich sehe Speedbumps und jede Menge im Weg parkende Autos.
Solche Fotos werden hier gerne als Negativbeispiel benutzt.
Die Niederländer sind uns in Sachen Fahrradwege / Fahrradstraßen etc. so weit Voraus.
Bin dieses Jahr angefangen Mountainbike zu fahren.
Anfangs hier in Deutschland.
Dann hatte ich allerdings die Nase davon voll, dass die meisten Wege einfach schlecht, oder gar nicht gepflegt waren bzw. sind.
Mittlweile fahre ich allerdings zwei bis drei Mal in der Woche von im Feierabend direkt von Zuhause aus mit dem Rad nach Holland um da zu fahren. Es macht einfach viel mehr Spaß.
Die Wege und Verkehrsführung sind Top. Egal ob mit dem normalen Rad, mit dem Mointainbike, oder wie auch immer.
Meiner Meinung nach geht es, was das betrifft auch nicht nur um die Sicherheit.
Wenn man beispielsweise so tolle Strecken wie in den Niederlanden hat, ist der Reiz, sich nach dem Feierabend zu bewegen so viel höher, was dann widerrum der Gesundheit und daraus folgend dem Gesundheitssystem zugute kommt.
Deutschland ist in solchen Dingen leider einfach nicht gut.
Die Niederlande haben keine große Automobilindustrie die mit massiver Lobbyarbeit dafür sorgt, dass das Auto immer das Nummer 1 Fortbewegungsmittel bleiben soll…und keine CDU/CSU Verkehrsminister die das gerne unterstützen
Die Standardregel in Deutschland ist seit Jahrzehnten, dass der Fluss des motorisierten Verkehrs höchste Priorität zu geniessen hat. Bei uns gab es nie das Umdenken, dass die Niederlande in den 60er (?) Jahren hatte. Und wenn man dieses Grundprinzip als unumstößlich und gottgegeben ansieht, macht die ganze Verkehrspolitik in Deutschland auf einmal Sinn.
Ihr Holländer habt es halt gut und keinen Auto-Fetisch wie in D. Das AUTO ist hierzulande alles, jeder, der kein AUTO hat, ist selbst Schuld, darf sich mit einem anderen Verkehrsmittel selbst gefährden und muss selbstverständlich bestraft werden.
Wie man das vorantreiben kann? Besser wählen. Aber die meisten Leute hier *wollen* das Auto, da wird ausser grass roots Arbeit nichts funktionieren fürchte ich.
Kommt immer auf die Region an. Kann hier in Baden Württemberg hunderte Kilometer in alle Richtungen nur auf Rad oder befestigten Wirtschaftswegen fahren ohne mir Fahrspuren außerhalb von 30er zonen mit kfzs teilen zu müssen.
Und das im Autohersteller Epizentrum.
Finde die Speed Bumps in anderen Ländern immer extrem nervig mit dem Fahrrad.
Das Mindset ist ja auch ganz anders
Bei all den Debatten, sei es wie hier ums Fahrrad in den NL oder wie anderswo um die Züge die in der Schweiz / Japan besser wären..
Wir dürfen nicht vergessen dass die eine viel viel kleinere Fläche haben und die Menschen gebündelter wohnen. Hinzu kommt bei der Schweiz und Japan z.B. dass die nur circa 5 Strecken haben welche da bedient werden müssen, bei Japan dann noch dass die keine auslandsverbindungen haben.
Also, klar ist’s hier und da besser, aber das ist auch logisch da deren System deutlich kleiner ist.
Natürlich haben wir auch eigene Probleme die dazu führen dass sowas nicht noch mehr forciert wird, aber im internationalen Vergleich steht Deutschland garnicht so schlecht dar.
Das ganze ist noch etwas komplexer und eigentlich kein Fahrradinfrastrukturprojekt, sondern ein ganzheitliches Verkehrskonzept.
In Städten gibt es dort zwei verschiedene Typen von Straßen, Durchfahrtsstraßen und Zugangsstraßen.
Prinzipiell ist das bei uns auch so, aber die Holländer sind extrem konsequent in der Anwendung. Die haben zum Teil zwei Fahrbahnen in dieselbe Fahrtrichtung parallel, aber getrennt. Eine ist als Durchfahrtsstraße konzipiert und hat aller paar hundert Meter Ausfahrten zur parallelen Zugangsstraße, die komplett Verkehrsberuhigt ist.