
Die Heldin dieser Geschichte ist eine ältere Dame, bald 70 Jahre alt, nennen wir sie hier Anna. Sie blickt zurück auf ein sorgenvolles Leben mit falschen Männern, drei längst erwachsenen Kindern, und schweren Krankheiten. Anna lebt jetzt allein in einer kleinen Wohnung, sehr sparsam, mit einer bescheidenen Rente. Wir sind Nachbarn, und sie ist irgendwie eine "Tante" für unsere Kinder.
Annas größte Freude ist das E-Bike, das sie seit ein paar Jahren fährt. Ein gutes Mittelklasse KTM Citybike, mit Bosch-Mittelmotor und sehr guten hydraulischen Magura HS33 Bremsen. Sie fährt damit überall hin, Verwandte und Freunde besuchen, in die Kirche, zu Konzerten, usw. Anna besitzt kein Auto und viele ihrer Ziele sind mit Bus und Bahn nur schwer oder kaum erreichbar. Sie fährt erstaunlich weite Strecken und kommt jedes Jahr auf eine gewaltige km-Leistung.
Ein anderer befreundeter Nachbar, nennen wir ihn Andreas, kümmert sich abwechselnd mit mir um Annas Fahrrad. Wir haben schon oft die Kette gepflegt oder erneuert, mehrfach Reifen und Bremsbeläge erneuert, und diverse andere kleine Reparaturen. Das muss immer sehr schnell gehen, denn jeder Tag ohne das E-Bike ist für Anna irgendwie ein verlorener Tag. Für uns ist das kein Problem, denn sowohl Andreas als auch ich basteln seit Jahrzehnten an unseren Fahrrädern und erledigen alle Arbeiten selbst. Wir haben auch reichlich Werkzeug.
Während meines Urlaubs war also Andreas an der Reihe, einen platten Vorderreifen zu reparieren (hier in Wien nennen wir das einen "Patschen", so wie auch Pantoffeln). Liebevoll wird der Schlauch geflickt, das Rad wieder zusammengebaut und vorsorglich auf etwa 4 bar aufgepumpt. Vielleicht war es auch etwas mehr.
Anna fährt glücklich und dankbar los. Nach etwas mehr als 15km platzt der Vorderreifen mit einem lauten Knall, während einer schnell gefahrenen Kurve. Anna und Fahrrad landen unsanft im Straßengraben, was "noch ein Glück" ist, denn auf der Fahrbahn wäre vielleicht ein Auto in sie hineingefahren.
Das ist jetzt ein paar Wochen her. Die glücklicherweise nur leichten Verletzungen sind verheilt, und meine Aufgabe ist es, das Fahrrad wieder in Ordnung zu bringen. Ich traue meinen Augen nicht, als ich die Felge des Vorderrads genauer ansehe. Es ist keineswegs der Reifen geplatzt, sondern die Felge. Ein etwa 400mm langer Teil ist weggebrochen, damit hatten Mantel und Schlauch keinen Halt mehr, und der Sturz war unvermeidlich. Siehe Fotos weiter unten bei den Kommentaren.
Es ist das erste Mal, dass ich eine kaputtgebremste Felge sehe. Jetzt frage ich mich: Sind Andreas und ich gefährlich unfähige Idioten, die schleunigst den Schraubenschlüssel aus der Hand legen sollten, anstatt weiter als Hobby-Mechaniker Menschenleben zu gefährden?
Kommt das öfter vor? Bin ich der einzige, der bisher nicht wusste, dass der schwarze Strich in der Bremszone ein Verschleiß-Indikator ist? Wenn der schwarze Strich weg ist, muss man die Felge erneuern. Hätte uns das rechtzeitig auffallen müssen?
by KobukVienna
11 Comments
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So sieht die kaputtgebremste Felge nach dem Knall aus.
Glück im Unglück. Felgen sollte man ab und zu checken. Gerade wenn das Rad viel gefahren wird kann da tatsächlich mal der Punkt kommen wo die Felgen durch sind.
Ihr habt bestimmt etwas daraus gelernt.
Keine Ahnung, hatten die Felgen mal so Kerben, welche die Verschleißgrenze anzeigen sollen?
Ihr seit gute Nachbarn, die einen ehrlichen Fehler gemacht haben. Sowas passiert Laien. Kopf hoch, es ist ja nochmal gut gegangen ..
Joa hätte man durchaus drauf achten können. Vielleicht nicht immer aber beim Belagwechsel zB. Aber das wisst ihr ja nun fürs nächste Mal. Zum Glück ist nichts passiert.
Ich hab zuletzt auch ein Rad gekauft, “gut in Schuss”, da war die vordere Felge einseitig krumm bzw. konkav. Der Verschleißindikator (Rille) war weg. Der Vorbesitzer hatte den den Bremsbelag/Schuh so eingestellt, dass er zu der krummen Felge passt. Ich hab das Rad nicht mehr gefahren und eine neue alte Felge organisiert. Kommt vor.
Felgen haben einen Verschleißindikator an der Flanke.
Die Kombination aus E-Bike (Tempo, Gewicht), viele Kilometer und Felgenbremse ist nur bedingt zu empfehlen, da man hier eben doch eher das Verschleißlimit erreicht.
Vielleicht kommt noch dazu, dass die alte Dame hauptsächlich nur eine Bremse verwendet, was das Problem potenziert.
Zweite Felge unbedingt prüfen und bei Bedarf beide tauschen.
Man kann sich einer solchen Situation auch schon das abstehende Metall ins Bein rammen.
Ich hab’s mal wissen wollen. Der Verschleißindikator war weg, aber ich bin weitergefahren und habe weitergebremst, wenn auch mit mehr Vorsicht. Irgendwann hat sich die Felgenflanke an einer Seite nach außen gebogen, d.h. die Bremse hat jede Umdehung geschliffen. Da habe ich dann eine neue Felge eingespeicht.
Meine Vermutung: Das Problem lag auch an der Benutzerin, die vermutlich Zeichen nicht erkannt hat, dass die Felge nachgibt, und weitergefahren ist. Dass die Felge mit einem Schlag reißt, und das auf so großer Länge, ist gegen meine Erfahrung.
Grundsätzlich sind Felgenbremsen ja dumm: Ein tragendes Teil wird zum Verschleißteil gemacht. Mit E-Bikes ist es nochmal dümmer, weil durch die höhere Gesamtmasse und die höheren Geschwindigkeiten eine Bremse mehr belastet wird und schneller verschleißt. Außerdem sind die Mehrkosten einer Felgenbremse geringer im Verhältnis zum Gesamtsystem eines E-Bikes. Ach ja, und nässeempfindlich ist es auch.
Ich würde die kaputte Felge zum Anlass nehmen, eine Gabel mit Scheibenbremse einzubauen.
Ebike und hydraulische Felgenbremsen?
Dass es sowas überhaupt gibt….
Magura Felgenbremsen sind gut. Aber leider ist der Verschleiß von Belägen und Felgen um einiges höher als bei rein mechanischen Bremsen.
Wenn man hauptsächlich nur an Scheibenbremsen werkelt, vergisst man gerne den Verschleiß vom Felgenrand.
Vorzuwerfen habt ihr euch gar nichts, seid schließlich keine Zweiradmechaniker.
Ja, das hätte auffallen sollen. Ja, einer Werkstatt wäre das ziemlich sicher aufgefallen.
Muss das Fahrrad deshalb künftig immer wochenlang in die Werkstatt?
Ne.
Einfach draus lernen und sich nochmal zum Thema Sicherheit und Verschleiß ein wenig weiterbilden.