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  1. Ich habe keine Ahnung wieviel W/KG ich trete, aber da ich mich erinnerte wie ich früher im GYM versucht habe mehr zu heben als ich wiege, dachte ich mir, das will ich so ähnlich auf dem Rad auch mal umsetzen. Für den durchschnittlichen Radfahrer sicherlich keine allzu große Herausforderung, aber bei mir zeigte die Waage am Morgen 133kg (bei 183cm), so weit bin ich noch nie gefahren.

    Ich habe letzten Sommer mit dem Rennrad fahren angefangen, und nach einer krankheitsbedingten Winterpause ab März dann relativ regelmäßig, aber auch nicht superviel, vielleicht so 500km/Monat. Bin bislang ein paarmal knapp über 100km gefahren und hatte mich immer so grade über diese Grenze geschleppt. Meist war das Problem am Ende dann eher Schmerzen überall, weswegen ich nichtmehr weiterfahren konnte, aber anstrengend war es natürlich auch. Jetzt hatte ich aber nach dem Sommerurlaub endlich ein Bikefitting auf das ich Monate gewartet hatte, und dachte mir danach willst du das Projekt KM/KG>1 mal angehen.

    Die Strecke hatte ich mir bewusst mit ein paar Höhenmetern rausgesucht, diese aber strategisch gewählt. Ich bin von Aachen über Eupen zum Signal de Botrange (höchster “Berg” Belgiens), von dort über Sourbrodt nach Robertville und über die Vennbahntrasse nach Aachen zurück.

    Die ersten 20km nach Eupen sind relativ easy roalling hills, dann kommt der eine große Anstieg, der nie supersteil ist, aber sich über 20km lange hinzieht, danach nochmal 50km ein bisschen auf und ab und die letzten 40km sind dann eigentlich nurnoch abschüssig. Nach ca. 60km wollte ich bei einer Frittenbude an der Vennbahntrasse Halbzeit Rast machen, nicht ganz die halbe Strecke, aber eben den anstrengenden Anstieg schon hinter mir.

    Bis Eupen flog es wirklich easy dahin, ich mag diesen Teil Belgiens sehr und dank Streckenplanung bikerouter hatte ich schön befahrbare Nebenstraßen mit wenig Verkehr. Nach Eupen begann der Anstieg ins Hohe Venn (das Hochmoor um das Signal de Bortrange), zunächst einmal führte mich die Strecke durch den Wald. Damit hatte ich nicht gerechnet, der Asphalt des Waldweges war sehr kaputt, es wäre eher für ein Gravelbike geeignet gewesen. Ich bin trotzdem mit meinen 28mm Slicks weitergefahren, es ging schon, aber ich bin ziemlich vorsichtig gefahren und war spürbar langsamer als auf der Straße. Dafür war es landschaftlich wirklich schön und im Wald bei der Hitze deutlich angenehmer.

    Nach knapp 9km war ich wieder auf der Straße, dafür wurde es jetzt nochmal ein bisschen steiler, vorher so 2-3% Steigung, jetzt eher 4-5%, das ist bei meinem Gewicht schon anstrengend. Der Asphalt war gut, leider dafür viel motorisierter Verkehr. Nach 3km Anstieg kam ich auf einmal an eine Straßensperre – ausgerechnet heute war diese Teilstrecke wohl für ein Fahrradevent gesperrt. Oh nein, muss ich etwa umkehren?
    Der freundliche Polizist aber winkte mich durch. Offensichtlich war die Straße zwar schon gesperrt, aber das Rennen noch nicht in der Nähe. Und so hatte ich dann für die restlichen vier KM die Straße für mich allein, das war richtig nice! An der nächsten Straßensperre feuerte ein anderer Polizist mich sogar an “Bonne Chance, Monsieur!”

    Nach 2,5 Stunden waren die ersten 40km und der große Anstieg endlich geschafft und ich war am Signal de Botrange. Ich war ziemlich platt also machte ich kurz Pause, aber irgendwie war mir zu viel los um mich wirklich auszuruhen und ich hatte ja in 20km eine Mittagspause geplant, also fuhr ich nach vielleicht 15min durchatmen weiter. Nach ein paar Minuten habe ich dann nochmal an einer Tanke angehalten um meine Flaschen aufzufüllen, direkt zwei Flaschen Aquarius geext, und nach 10 minuten ging es weiter und nach Sourbrodt kam ich dann auch auf die Vennbahntrasse.

    Auf der alten Bahnstrecke kann man wirklich angenehm radeln, guter Belag und keine Autos, lediglich die Tatsache dass bei vielen Straßenquerungen Sperren eingebaut sind um zum abbremsen zu zwingen nervt etwas, aber davon gibt es auch nicht allzu viele. Auf dem Weg zur Frituur hatte ich mir nochmal einen Schlenker eingebaut und da bekam ich langsam zweifel an meinem Plan. Ich merkte wie müde ich war und mir die Füße langsam weh taten, und dachte “Scheisse, jetzt immernoch 80km, soviel fahr ich normalerweise in einer langen Ausfahrt” – aber die Pause war ja nah.

    An der Frituur war ich schonmal vorbei gefahren und hatte Werbung für vegane Frikandel gesehen, deswegen hatte ich sie mir als Ziel ausgesucht. Endlich angekommen, das Rad abgestellt, mit etwas steifen Beinen reingestakst… und dann die Enttäuschung: die Frikandel war nicht mehr auf der Karte. Auf meine Frage ob er denn sonst irgendwas veganes hätte, sonst würde ich halt nur ne Fritte nehmen, sagte mir der nette Frittenschmied, dass die Fritten leider auch nicht vegan sind, da sie in Rinderfett kochen – na klar, daran hatte ich gar nicht gedacht! In Belgien wird traditionell in Rinderfett gekocht – nicht immer, inzwischen gibt es auch viele Frietkot die auf Pflanzenfett umgestellt haben, aber man muss immer fragen. So ein Mist. Also nur eine Cola getrunken und direkt wieder aufs Rad. Irgendwann war dann auch der Gedanke vergessen, dass es ja so viele KM wären. Aus “Scheisse noch 80” wurde “Cool, nur noch 60, dann bin ich ja bald da”. Ich hielt weiterhin die Augen auf ob ich irgendwo Rast machen könnte, es gibt an der Vennbahntrasse diverse Gaststätten, aber die meisten sind im weiteren Aachener Umland. Für mich waren die dann so nah am Ziel, dass ich mich entschied lieber auf die Pause zu verzichten und durchzuziehen.

    Ziemlich genau nach insgesamt 100km wurden die Schmerzen in den Füßen dann aber so schlimm, dass ich nicht weiterfahren konnte. Das war keine Überraschung, meine breiten Mauken passen einfach nicht in normale Schuhe, erst recht nicht für zarte Rennradlerfüße. Ich bin jetzt ein Jahr mit Northwave gefahren weil die als breit gelten, aber eigentlich sind die auch zu schmal. Das war das eine Ding, was wir beim Bikefitting nicht beheben konnten. Inzwischen sind neue Schuhe (Lake) aber bestellt. Jetzt musste ich aber bei der nächstbesten Bank anhalten, Schuhe ausziehen und 20 minuten Füße massieren. Danach konnte ich dann vorsichtig weiterfahren, Schmerzen waren nicht mehr so schlimm, aber ich bin mit deutlich weniger Kraft und allgemein langsamer gefahren um die Füße nicht wieder zu überlasten. Zum Glück sind die aber die letzten 30km wie schon gesagt quasi nur bergab, es ging also trotzdem relativ zügig vorran, ich konnte nur nicht so ballern wie ich gerne gewollt hätte. Irgendwann kam ich dann in Aachener stadtgebiet am Ende dann an den Hauptbahnhof – das Ende der Vennbahntrasse. Von dort dann zurück zum Startpunkt, müde aber glücklich. Insgesamt hat alles super geklappt. Das Bikefitting hat sich wirklich gelohnt, ich hatte nur schmerzen in den Füßen, der Rest hat ganz gut durchgehalten. Bin gespannt was für Touren ich machen kann, wenn die neuen Schuhe da sind.

    TLDR:

    Strecke: 135km, gut 1000hm

    Fahrzeit: 6 Stunden, gesamtzeit 7 stunden 20 min mit mehreren kleinen Pausen.

    Verpflegung: 60g malto in einer Flasche, Selbstgekochtes Gel aus Dattel-, und Reissirup (ca.400ml sirup), zwei Müsliriegel, eine Dose Cola, zwei Flaschen Aquarius.

    Der Fahrer: adipöser Familienvater mitte 40.

    Das Rad: Ein altes Stahlrennrad was ich mir selbst aufgebaut habe mit 105er Schaltung (50/33-11/34), Ultegra STI und Dura-Ace Felgenbremsen, stabile Laufräder mit no-name Felgen die bis 150kg zugelassen sind. Rad wiegt gesamt ca. 9,5kilo. Man braucht keinen teuren Carbonhobel mit Scheibenbremsen um Spaß zu haben. Der Schnitt wäre damit sicher ein bisschen höher, aber who cares

    wattzahl und kalorienverbrauch: von sigma+strava gewürfelt

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