
Die Stadt Stuttgart will zur Fahrradstadt werden mit dem Ziel, den Radverkehrsanteil auf 25% zu erhöhen (aktuell ca. 9%). Seit dem Gemeinderatsbeschluss 2019 wurden über 500 Maßnahmen gestartet, viele Fahrradstraßen eingerichtet und Förderprogramme für E‑Lastenräder & Co. aufgelegt. Die Radinfrastruktur wird Stück für Stück ausgebaut, es gibt sogar einen eigenen Radverkehrsbericht (der nächste soll Ende des Jahres veröffentlicht werden).
Aber: Im ADFC-Fahrradklimatest gab es nur die Note 4,2, u. a. wegen Ampelschaltungen, schmalen Wegen und schlechter Kontrolle von Falschparkern.
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Ich bin gespannt, ob Stuttgart die angestrebten Ziele erreichen wird. Durch die topografische Lage, ansässigen Unternehmen und auch nach dem Krieg errichtete Infrastruktur sehe ich hier große Herausforderungen.
Gibt es Stuttgarter Radler:innen hier, die die Neuerungen beurteilen können? Sind die Maßnahmen zielführend oder nur Symbolpolitik? Ist Stuttgart auf dem richtigen Weg oder bleibt das 25%-Ziel Wunschdenken?
by LepraZebra
4 Comments
Nicht aus Stuttgart, aber noch ne Frage: Sind die ganzen neuen Fahrradstraßen für den restlichen Verkehr freigegeben, wie in Göttingen? Dann handelt sich’s nämlich einfach nur um nutzlose Symbolpolitik und Beschiss.
Ich bin erst vor zwei Jahren nach Stuttgart gezogen und wohne hier sehr zentral, deswegen kann ich vielleicht meine Sicht mal schildern: Man hat hier des Öfteren 10 oder mehr Prozent Steigung und dazu eine sehr dichte Bebauung durch die Kessellage. Beides keine guten Vorraussetzungen. Dennoch ein paar positive Sachen:
Fast überall ist Tempo 40. Dadurch fühle ich mich als Radfahrer schonmal sicherer als bei Tempo 50.
Man kann sein Rad kostenlos in den UBahnen, SBahnen und Regionalzügen mitnehmen (außer zu Stoßzeiten).
Ich habe den Eindruck, dass in den letzten Jahren viele Fahrradwege und -straßen entstanden sind. Manche sind wirklich top und mehrere Meter breit. Andere sind sehr schmal und verlaufen in der Dooringzone. Ab und zu gibt es auch eine Spur extra für Busse und Radfahrer. Generell komme ich eigentlich immer sicher von A nach B, muss mir nur vorher Gedanken machen, wo ich lang fahre. Es wird auch weiterhin versucht die Situation zu verbessern. Es gibt nur leider auf Grund der doch starken Autolobby zum Teil deutlich Widerstand. (Wer zu gute Laune hat, kann sich ja mal die Kommentare auf den sozialen Median dazu durchlesen)
Leider muss man sich trotzdem immer wieder die Wege mit Fußgängern teilen (was häufig zu Konflikten führt) und es gibt auch deutlich zu wenig Fahrradständer.
Falschparker sind hier definitiv ein großes Problem wegen des geringen Platzes und die Ampelschaltungen an bestimmten Orten sind eine Katastrophe. Da kann es zum Teil schon 5 Minuten dauern auf die andere Seite zu kommen (Charlottenplatz).
Es passiert schon ein bisschen, aber ist halt unglaublich viel Stückwerk.
Beispiel ist die Hauptstadtroute 1. Diese soll Stuttgart von West nach Ost durchqueren. Also die wichtigste Fahrradroute. Diese ist ein absoluter Flickenteppich. Teile der Strecke sind sogar nur freigegebene Radwege. Zudem führt die Route durch die Innenstadt und wird für jeden Scheiß gesperrt, also z.B. für Feste und Veranstaltungen mit üblem Umwegen, die dann nicht mal ausgeschildert sind. Ein großer Teil führt durch den Schlossgarten, wo man sich bei gutem Wetter durch tausende Personen schlängen muss.
Jede Maßnahme für den Radverkehr wird massiv kritisiert, jeder entfallene Parkplatz ist der Untergang. In Stuttgart-Vaihingen sollte für die Hauptstadtroute 1 ein Radstreifen entstehen. Das wurde kürzlich abgelehnt. Also führt die Route weiterhin durch einen vielbefahrene Straße.
Hätte ich Kinder, dann würde ich diese niemals in Stuttgart Fahrradfahren lassen.
Die Fahrradstraße in der Eberhardstraße halte ich für eine gute Neuerung. Problematisch ist hier nur der erhöhte Fußgänger Anzahl auf der Straße, vor allem gegen Nachmittag/Abend wenn die Cafés und Restaurants mehr Besucher haben. Gleiches gilt für die Tübinger Straße.
Die größeren Probleme wurden aber nicht angegangen. Radweg der im Endeffekt direkt zwischen Stadtbahnausgang und Bushaltestelle am Marienplatz durch führt.
Der Bereich ab dem Charlottenplatz über Akademiegarten, Eckensee bis hin zur Brücke zum Schlossgarten ist einfach zu eng für Fußgänger und Radfahrer. Da wird es öfters gefährlich.