Im Jahr 2024 starben 53 Kinder unter 15 Jahren infolge eines Verkehrsunfalls, im Jahr 2023 waren es 44 gewesen. Die Zahl der verletzten Kinder lag wie im Vorjahr bei 27 200. Das bedeutet, dass 2024 im Schnitt alle 19 Minuten ein Kind bei einem Verkehrsunfall verletzt wurde. 21 Kinder kamen als Insassen eines Pkw ums Leben, ebenfalls 21 waren zu Fuß und 8 mit dem Fahrrad unterwegs.

u/Vloda hatte dazu bereits Anfang des Jahres etwas zur Verkehrsstatistik gepostet, aber offenbar wurden die Zahlen letzte Woche nochmal aktualisiert, da ein neuer statistischer Bericht veröffentlicht wurde.

Ich habe mir die Unfallzahlen des Statistischen Bundesamts speziell zu Fahrradfahrer:innen im Alter von 6 bis 14 Jahren für das Jahr 2024 angeschaut. Grundlage war eine CSV-Tabelle von Destatis. (Tabelle 46241-21, wobei hier die Daten sich teils von der Pressemitteilung und Genesis unterscheiden)

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Was dabei sofort auffällt: Die mit Abstand meisten Unfälle passieren morgens zwischen 7 Uhr und 8 Uhr, also genau zur Zeit des Schulwegs. Auch am Nachmittag, zwischen 13 Uhr und 17 Uhr, steigen die Unfallzahlen deutlich. Vermutlich wegen Heimweg und Hobbies/Freizeitaktivitäten. Über das Jahr betrachtet sind die Sommermonate am unfallreichsten: Im Juni wurden über 1.200 Unfälle gezählt, während es im Januar "nur" 181 waren. Insgesamt verzeichnete die Statistik 8.100 Fahrradunfälle mit 6- bis 14-jährigen Beteiligten.

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Interessant fand ich auch den Rückgang im Juli und August. Was wahrscheinlich ein Effekt der Sommerferien ist. Der Schulweg entfällt, Familien sind unterwegs, der Verkehr insgesamt "entspannter".

Dass der morgendliche Schulweg das größte Risiko birgt, überrascht wenig. Dort treffen Schul- und Berufsverkehr aufeinander, oft bei schlechten Sichtverhältnissen. Kinder in dem Alter können Geschwindigkeit und Abstand noch nicht zuverlässig einschätzen, machen eben auch Fehler und lassen sich leichter ablenken. Gleichzeitig ist die Infrastruktur vielerorts nicht fehlerverzeihend auf sie ausgelegt: Schulwege führen oft entlang vielbefahrener Straßen, teils ohne baulich getrennte Radwege oder sichere Querungen. Dann kommt noch Zeitdruck dazu. Autofahrende auf dem Weg zur Arbeit, abgelenkt durch ihr Handy, Kinder im morgendlichen Stress, weil in der ersten Stunde eine Klausur stattfindet. Ein Umfeld, in dem Fehler schnell passieren, aber nicht dürften.

Hier ein paar Beispiele, wie die letzten Meter vor den Schulen bei uns in der Ecke im schlimmsten Fall aussehen können:

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Kinder und somit auch Schulwege müssen besser geschützt und in der Städteplanung mehr berücksichtigt werden z. B. durch Schulstraßen, verkehrsberuhigte Zonen oder sichere, getrennte Radinfrastruktur. Kinder brauchen Übung, Sichtbarkeit und (sicheren) Platz. Nicht nur zum Radfahren, sondern auch um ein Stück unabhängiger zu werden. Ansonsten werden wir ähnliche Nachrichten wie beim Schwimmen heutzutage lesen. Wir Erwachsene, egal ob auf dem Rad oder im Auto sollten mehr Bewusstsein in der Gesellschaft dafür schaffen, dass Kinder diese Möglichkeit erhalten und nicht am Ende im Krankenhaus oder in den Todesanzeigen landen.

Wie ist das bei euch? Gibt es in eurer Umgebung funktionierende Konzepte für den Schulradverkehr? Erfahrungen mit Schulstraßen oder lokalen Initiativen würden mich sehr interessieren.
Lasst ihr eure Kinder (noch) eigenständig oder belgeitet zur Schule fahren?

Passt auf euch und eure Kinder auf!
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Hier nochmals die aktuelle Pressemittelung von Destatis
Und falls noch nicht bekannt der interaktive Unfallatlas.

by LepraZebra

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3 Comments

  1. SnooWoofers6634 on

    Sprich: wir müssen nur dafür sorgen, dass regelmäßiger Schulbusse verunfallen und unsere Kinder sind statistisch gesehen sicher, solange wir sie nicht in diese Busse stecken?

  2. MeMyselfundAuto on

    kannste ja nichts machen! die autofahrer sind dann eh schon die leidtragenden. tot gefahrenes kind? 3 monate auf bewährung. /s

  3. Aber die Anzahl Unfälle mit dem Rad zeigt doch, dass Kinder wohl nicht auf dem Schulweg mit dem Rad verunfallen, sondern wenn sie mit anderen Verkehrsmitteln unterwegs sind.

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