
Hallo zusammen!
Ich wollte mir immer schon einmal den Spaß machen und berechnen wie hoch die reinen "Treibstoff"-Kosten sind fürs Fahrradfahren. TL;DR am Ende.
Meine Annahmen für die Berechnungen:
- Man isst genau die Kalorien zusätzlich, die man verbrennt.
- Alle Kalorien, die eingenommen werden werden auch direkt so vom Körper verwertet ohne irgendwelche Sondereffekte.
- Man behält alles drin was man sich reinstopft (man beachte die Auswahl der Lebensmittel)
- Die Kosten für Wasser habe ich vernachlässigt.
Disclaimer:
Meine Annahmen stimmen so nicht bzw. sind unrealistisch. Kein Mensch wird genau die Menge an Kalorien, die er beim Radfahren verbraucht, auch wieder zu sich nehmen. Wahrscheinlich nehmen die meisten weniger zu sich. Die indirekten Kosten wie Verschleiß, Wartung, Wertverlust etc. spielen nicht mit rein, sind in echt aber nicht zu vernachlässigen. Insgesamt ist Fahrradfahren mit den positiven Folgen für die Gesundheit und weniger starken Folgen für die Umwelt wahrscheinlich deutlich günstiger als Autofahren oder Ähnliches.
Berechnung:
Für die Berechnung benötigen wir die verbrauchten Kalorien pro Kilometer und den Preis des "Treibstoffs" also der Lebensmittel für diese Kalorien.
Kalorienverbrauch:
Allein die Bestimmung der Kalorien ist schon sehr schwer, da viele Faktoren (Gewicht, Wind, Temperatur, Steigung, Geschwindigkeit und und und) eine Rolle spielen und somit die Spannweite sehr groß wird. Ich habe es mir hier einfach gemacht und diese TK-Quelle verwendet, um eine Spanne zu erhalten:
bei (bis zu) 15 km/h ist das untere Ende der Spanne bei 200 kcal / Stunde
bei (mehr als) 30 km/h ist das obere Ende der Spanne bei 1000 kcal / Stunde
Hier nehme ich einfach 15 und 30 km/h als Geschwindigkeiten an.
Daraus ergibt sich ein Kalorienverbrauch von 1333-3333 kcal pro 100km.
Lebensmittelpreise:
Jede Ernährung ist unterschiedlich, Lebensmittel kosten an unterschiedlichen Orten unterschiedlich viel. Ich mache es mir wieder einfach und nehme die REWE-Shop-Seite bzw. Amazon als Quelle für die Preise und Infos. Ich habe ein paar Lebensmittel ausgewählt, die gut passen könnten und mir die Informationen besorgt. Die Daten habe ich in einer kleinen Tabelle zusammengetragen und berechnet wie viel Kosten pro 100 km für den geringsten und höchsten Kalorienverbrauch meiner Spanne entstehen:
Kosten:
Das Minimum stellt das Sonnenblumenöl dar mit 0,24€ – 0,60€ pro 100km.
Realistisch isst man wohl eher Nudeln oder Reis: 0,57/0,60€ – 1,42/1,50€ pro 100km
Das Maximum Squeezy Energy Gel mit 25,87€ – 64,67€ pro 100km.
Zum Vergleich: Laut Statista verbraucht ein durchschnittliches Auto 7,0L Benzin pro 100km, was bei einem Preis von 1,78€ / L (aktueller Preis laut tanke-guenstig) auf 12,46 € für 100km kommt. (Diesel: 7,7L/100km * 1,61€/L = 12,40€/100km)
Ganz klar entspricht diese Rechnung nicht der Realität, aber gibt einem ein Gefühl dafür, in welchem Bereich die "Treibstoffkosten" liegen.
Weitere Interessante Fragen wären:
- Wie waren eure tatsächlichen Ausgaben für die Verpflegung bei 100km-Fahrten?
- Wie viel Kalorien nehmen Menschen wirklich zu sich im Verhältnis zu den Verbrauchten?
- Wie kann man den Kalorienverbrauch noch genauer bestimmen um wirklich relevante Werte zu erhalten?
- Wie schlägt sich ein E-Bike im Vergleich und was wäre die CO2-Bilanz?
Lasst mir gern eure Fragen, Anregungen oder Kritik da!
TL;DR: Wenn man genau die Kalorien isst, die man verbraucht, kostet es zwischen 0,24€/100km (Sonnenblumenöl & langsam fahren) bis 64,67€ pro 100km. (Energy Gel & schnell fahren).
EDIT:
Weitere Lebensmittel
Wichtige Anmerkung von u/PsyraxC zum Bier:
Also braucht man etwa 3,3 Liter, knapp 7 Halbe, wenn man die hundert Kilometer sehr langsam fährt. Will man richtig schnell unterwegs sein, braucht man 5,8 Liter oder (sicherheitshalber) 12 Halbe.
by Invective_KixX
24 Comments
Poste das doch noch bei r/Finanzen könnte ein neuer Klassiker werden.
Danke für diesen spannenden und sehr unterhaltsamen Beitrag!
(Kann ich das in Bier berechnet haben? x Liter pro km?)
SUV fahren ist besser als Fahrradfahrer. Hatten wir schon. https://www.faz.net/aktuell/technik-motor/fahrrad-und-co2-bilanz-13-kilogramm-tomaten-fuer-2500-kilokalorien-18468552.html
Der menschliche Körper ist im Prinzip eine sehr ineffiziente Maschine. Hatte mal irgendwo gelesen, dass deshalb ein E-Bike prinzipiell nachhaltiger ist.
Natürlich wäre für die meisten mehr Bewegung sowieso sehr förderlich und es würde helfen die zum Großteil ungesunde Ernährung zu verbessern indem viele leere Kalorien verbrannt werden, dazu Bewegung sowieso und wenn man die Wegstrecke sowieso zurücklegt, ist das Fahrrad allemal besser als das Auto mit dem man danach dann noch zusätzlich ins Fitnessstudio für den Sport fährt.
Wer sich überwiegend von kalorienarmen Gemüse ernährt, sollte nochmal deutlich teurer wegkommen. Aber das ist natürlich auch recht praxisfern sich Kalorien über nackten Salat und Selleriestangen zu holen.
> Zum Vergleich: Laut Statista verbraucht ein durchschnittliches Auto 7,0L Benzin pro 100km, was bei einem Preis von 1,78€ / L (aktueller Preis laut tanke-guenstig) auf 12,46 € für 100km kommt. (Diesel: 7,7L/100km * 1,61€/L = 12,40€/100km)
Vor allem verbraucht nicht nur das Auto Energie, sondern logischerweise auch der Fahrer, der im Auto sitzt. Der Unterschied ist also noch größer. [Dazu kommen noch die ganzen anderen Kosten, weshalb ein Auto im Schnitt einen eher so um die 40ct/km kostet laut ADAC (also 40Euro/100km) + Kosten der verbrauchten Kalorien + externalisierte Kosten](https://assets.adac.de/Autodatenbank/Autokosten/autokostenuebersicht_m-r.pdf).
> Wie schlägt sich ein E-Bike im Vergleich und was wäre die CO2-Bilanz?
[E-Bikes sind im Durchschnitt sogar besser für die Umwelt als ein Bio-Rad, da ein E-Motor die zugeführte Energie deutlich effizienter in Bewegung umsetzen kann als ein Mensch, der seine Energie durch relativ aufwendig produzierte Nahrung aufnimmt und erst dann in Bewegung umsetzen kann.](https://blogs.ethz.ch/energy/daily-commute-carbon-footprint/). Die sauberste Art der Fortbewegung dürfte also ein Veganer sein, der sein E-Bike mit Solarstrom lädt.
(Natürlich muss das E-Bike dann auch mindestens so lange genutzt werden, dass sich die höheren Herstellungsemissionen amortisieren und [man darf auch nicht vergessen, dass der Abbau von Ressourcen auch Schäden verursacht](https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28548494/) und nicht nur THG-Emissionen. Solange man aber Fahrrad fährt, egal ob mit oder ohne E-Antrieb, tut man nicht nur sich, sondern auch der Umwelt etwas Gutes.)
Mmmhhh. Das Problem ist auch, dass wir alle unterschiedlich Kalorien verbrauchen.
Also bei unserer letzen 100km Fahrt (gemütlich) war mein Kalorienverbrauch bei ca 1300 und der meines Mannes bei ca 3300. Ich wiege grob 80kg mein Mann ca 120kg. Wir fahren BioBike ich ein MTB und der Mann ein FatBike.
Meine Zahl kommt auch ca hin, da ich durch eine Studie ungefähr weiß, was ich an Kalorien verbrauche.
Wir haben nicht mal annähernd dies Kalorien zu uns genommen.
Da wir die lange Fahrt nicht geplant hatten, hatten wir auch kein Essen mit. Also zwischendurch im Supermarkt angehalten und zwei fertige Hühnerschnitzel und etwas Barbecue Sauce gekauft und gegessen.
Wasser hatten wir jeweils drei Liter Leitungswasser von zu Hause mit und beim anhalten haben wir noch mal je anderthalb Liter gekauft.
Wenn ich auf Arbeit fahre -15km ein Weg – verbrauche ich ca 200kcl. Die Esse ich aber nicht. Ich frühstücke nicht und habe Mittags meist Gemüse und Hüttenkäse.
Musste schmunzeln, danke dafür 😀
Ich ergänze mal. Auf meinem pendelweg von 8.2 km attestiert strava bzw garmin mir einen verbrauch von 159 kcal. Das wären 1939 kcal auf 100 km. Das wären also 34 ct/100 km mit sonnenblumenöl, 87 ct/100 km mit penne und 37.60€/100 km mit dem teuren energygel.
Mit dem schoko-hafer, den ich morgens vor dem pendeln frühstücke, sind das 1.38€/1000 kcal, also 2.67€/100 km.
Habe mal gelesen, dass ein E-Bike besser fürs Klima ist, weil die Energieverluste kleiner sind als wenn man erst Nahrung anbauen muss und die in sich reinstopfen, aber müsste man mal ausrechnen.
Die Kosten pro 100 km könnte man noch auf €/kg für 100 km umrechnen damit auch die Transportleistung in €/Kilogramm für 100 km zu beachten.
Ich hatte mal eine sehr ähnliche Rechnung wie Du gemacht und bin bei so 6-7ct pro km für meine Ernährungsweise rausgekommen. Ist aber schon ein paar Jahre her, dank Inflation wären das jetzt wohl eher ~10ct/km, also 10€ auf 100km.
Passt eigentlich ganz gut zu Deinem Ergebnis, liegt sinnvoll zwischen den Extremen.
Ich habe da auch versucht, eine Rechnung für den CO2 Footprint zu machen. Da gibt es Seiten, die Dir das basierend auf Deiner Ernährungsweise ausrechnen.
Bei mir kamen da so knapp unter 50g CO2 pro km raus.
Hat mich überrascht wie viel das doch ist, aber viele unserer (vor allem der tierischen) Lebensmittel haben halt einen echt üblen Footprint (Schau Dir mal Butter als Extrembeispiel an…)
Dadurch ist realistisch betrachtet auch das E-Bike (sogar mit normalem Strommix betankt) oft das klimafreundlichste Fortbewegungsmittel.
Break-Even-Punkt zum Bio-Bike wg. Mehraufwand bei Fertigung war da laut meiner Berechnung so zwischen 3000 und 5000km Fahrtstrecke. Bei Laden mit echtem Ökostrom sieht es entsprechend besser aus.
Jetzt rechne noch die durchschnittliche Nutzungsdauer eines durchschnittlichen 5000€ Rennrads und hau die Aufwand für Abnutzung dazu dann hast du einen certified r/Finanzen Banger
38c/km ist der rechtliche Wert in Österreich. Den bekommt man, wenn beruflich von A nach B radelt.
https://www.oeamtc.at/thema/steuern-abgaben/kilometergeld-18183242
LOL, hab ich auch einmal gemacht. Habe dazu die gefahrenen Kilometer aus Google Maps und die Daten aus meiner Fitnesssuhr herangezogen, dazu meine Ausgaben für Lebensmittel und Essen. Es sind so 10 bis 20 Euro im Monat, die ich rein für das Fahren verfresse. Immerhin noch weniger als meine Ausgaben für öffentliche Verkehrsmittel. 😂
> Das Minimum stellt das Sonnenblumenöl dar mit 0,24€ – 0,60€ pro 100km.
> Realistisch isst man wohl eher Nudeln oder Reis: 0,57/0,60€ – 1,42/1,50€ pro 100km
Man kann I’m Alltag aber auch easy den Mehrbedarf mit Öl decken. Einfach ein oder zwei Schuss zusätzlich ins Essen.
Hier im flachen ist man für einen 30er Schnitt schon mit 200-220 Watt dabei. Also so 800 kcal pro Stunde als Obergrenze.
Bei 100 km bin ich bei 2 Riegel und 2 Gels (pro 20 km im Wechsel). Dazu noch Krümeltee in der Flasche. Auf der letzten Fahrt kam dann noch eine Rettungscola dazu. Im Anschluss ein Käsebrötchen mit Hähnchenfilet und Schaslicksauce. Als Getränk dazu eine Spezi und zum Ende zwei Eis.
Riegel (Raw Bite): 2,10 € pro Stück
Gel (Power Hydro): 2,00 € pro Stück
Rettungscola: 1,80 € (Pfand verschenkt)
Käsebrötchen: 1,80 €
Hähnchenbrust (G&G): 2,39 €
Schaslicksauce (Kühne): 0,40 €
Eiscreme (Nuii): 1,17 €
Krümeltee (Lidl): 0,20 €
Wasser & Energie (Tee & Duschen): 0,50 €
Spezi: 0,75 €
In Summe 13,11 €. Teurer als das Auto und das mit Defizit.
>Wie waren eure tatsächlichen Ausgaben für die Verpflegung bei 100km-Fahrten
Ne Packung Gummibärchen für 0,99€.
unabhängig von deiner Verbrauchsrechnung (Bravo!) bin ich überrascht, dass man mit nur ~1300 kcal 100km schaffen kann. Das sind ja nur 2 Cheeseburger
Sag dass du r/Finanzen user bist ohne zu sagen dass du r/Finanzen user bist
>Kein Mensch wird genau die Menge an Kalorien, die er beim Radfahren verbraucht, auch wieder zu sich nehmen.
lol. Ich glaube es ist genau andersherum: Kein Mensch wird jemals so viel Radfahren, wie er an Kalorien zu sich nimmt (ausgenommen Tour de France-Fahrer, vermutlich).
Die meisten essen sowieso zu viel. Und abgesehen davon ist der Wirkungsgrad (Kalorienaufnahme zu Nutzung) katastrophal.
3xDextro Pulver (aus dem 3kg Eimer für 34€ -> 1,9€) haben gereicht
Gesundheitliche Aspekte beim Radfahren im Smog tendieren gegen -0 & da ich in einer Fahrrad(un-)freundlichen Stadt lebe muss ich damit rechnen zwar etwas gutes für mich vorzuhaben, aber schlechtes für mich zu tun.
Dennoch kann ich die Rechnung nachvollziehen & finde es auf unterhaltsame Art gut.
Danke für deinen großartigen, informativen und humorvollen Artikel!
Ich dachte immer, die meisten Kalorien pro Euro erhält man mit Palmin. Ist neuerdings Sonnenblumenöl tatsächlich billiger?
Das war doch vor ein paar Jahren sogar mal richtig knapp.
In 2.5 Stunden verbrauche ich circa 1000 Kalorien. Nehme 300 auf mit dem Energiegetränk.
Diese Berechnung hat mit der Realität nix zu tun, sondern ist reine Labortheorie. Es gab Untersuchungen bei Jäger und Sammlern (Hadza) und da kam raus, dass man sich nach einiger Zeit an Aktivität “gewöhnt”. Die Frauen dort haben 1900 kcal am Tag verbraucht, obwohl sie 12 km am Tag gelaufen sind. War kein Problem. – [https://www.scientificamerican.com/article/the-exercise-paradox/](https://www.scientificamerican.com/article/the-exercise-paradox/)