






Vor der Tour hab ich mich wochenlang an einer Frage abgearbeitet, zu der ich kaum belastbare Zahlen gefunden habe: Wie weit komme ich mit einem einzigen 625-Wh-Akku über die Alpen, ohne Zweitakku und ohne Schnelllader? Ende Juni bin ich es dann gefahren, solo von Klais bei Garmisch über den Brenner in die Dolomiten bis Nevegal über Belluno. Fünf Etappen, rund 475 km und 7.500 Höhenmeter, auf einem Cube Stereo Hybrid 120 von 2020 mit dem 2-A-Serienlader, der damals beim Rad dabei war (rund 12 % Ladung pro Stunde).
Die kurze Antwort: Es geht. Aber nicht, weil der Akku groß genug wäre, sondern weil die übliche Reichweitenfrage in die Irre führt. Kilometer sagen fast nichts. Was zählt, sind die Kletter-Höhenmeter. Auf einer voll beladenen Testfahrt kam ich auf rund 0,11 % Akku pro Höhenmeter, wenn der Motor eben und bergab komplett aus ist und bergauf nur Eco läuft. Ab da wird jede Etappe zur Kopfrechnung am Morgen: 600 Hm Schlussanstieg heißt etwa 65 % Reserve, die ich bis dahin gehalten haben muss.
Die Etappen mit den Ist-Werten aus Bosch Flow (Restakku bei Ankunft):
- E1 Klais → Matrei am Brenner: 109,6 km / 1.786 Hm → Ankunft mit 30 %, keine Zwischenladung, Motor 58 % der Fahrzeit ganz aus
- E2 Matrei → Brixen: 90,5 km / 1.236 Hm → bewusst in Tour gefahren, um die Beine zu schonen, Ankunft bei ~50 %
- E3 Brixen → Niederdorf: 62,7 km / 990 Hm → nachmittags auf 50 % geladen, abends noch die Schleife zum Pragser Wildsee (23 km / 420 Hm). Am See um 17 Uhr, als die Busse weg waren
- E4 Niederdorf → Nevegal: 138 km / 2.352 Hm → die Etappe, bei der mir alle einen Zweitakku eingeredet hatten. Talboden mit 45 %, beim Abendessen 70 min nachgeladen (+15 %), Schlussanstieg 600 Hm, oben noch 25 %
- E5: Valsugana-Radweg plus Zug über den Brenner zurück
Die Zuglogistik hab ich unterschätzt. Im Fernverkehr über den Brenner gibt es keine spontane Radmitnahme – die sechs (!) Radplätze im neuen Railjet waren für meinen Rückreisetag schon vier Monate vorher weg. Ich bin die Regionalzug-Kette gefahren, Trento → Brennero → Innsbruck → Kufstein → München, mit vier verschiedenen Radtarifen nacheinander. Ein Detail, das kaum jemand auf dem Schirm hat: Ersatzbusse beim Schienenersatzverkehr nehmen keine Räder mit. Genau das hat mir am Ende die Werdenfelsbahn zerlegt.
Was schiefging, der Vollständigkeit halber: Rad beim Packen auf die Schaltung gekippt (ein Shop in Toblach hat das für 10 € gerichtet), der Lago d'Antorno lag komplett in Wolken statt spiegelglatt, und 138 km an einem Tag waren schlicht zu viel. Nächstes Mal eine Nacht mehr rund um Cortina.
by TransalpGuide
6 Comments
ist halt wie beim wandern. wenn du auf 5km 1500hm hast ist das halt was anderes.
Geschäftsidee:
E-Bike mit ccs Schnelllade-Stecker.
Da Du einigermaßen fit zu sein scheinst, gehe ich davon aus, dass deine Geschwindigkeit in der Ebene über 25km/h liegt – da braucht man natürlich keinen Akku. Den typischen Ebiker stelle ich mir aber so vor, dass die ganze Zeit knapp an den 25km/h bzw. am Ende der Unterstützung gefahren wird, da ist das schon relevant.
Ich habe meine Freundin schon die letzten 12km nach Hause “geschoben” weil ihr Akku leer war. Sie fährt halt immer im Unterstützungsbereich.
Dass Höhenmeter Akku fressen und nicht Kilometer hätte Dir jeder vorher sagen können, der in hügeliger Gegend wohnt. Im Flachen braucht man den Motor ja eh hauptsächlich zum Anfahren und dann kaum mehr.
Aber lohnt es sich dann soviel extra Gepäck rumzuschleppen? Du würdest dir bei Klettermetern mit einen Biobike ja deutlich einfacher tun und im flachen dir die ganze Energie sparen
wollte nur erwähnt haben dass mich das bild 5 unfassbar abholt, die szene, die farben, unfassbar schöne stimmung. kriegt man direkt lust auf abenteuer