Die Zeitfahrspezialistin Maike Hausberger gewann bei den Paralympischen Spielen in Paris die Goldmedaille. Trotzdem steht sie kurz vor Saisonbeginn ohne passendes Fahrrad da.

Die letzten Saisonvorbereitungen für Maike Hausberger sind in vollem Gange. Das vergangene Jahr: Ein einziger paralympischer Traum. In Paris feiert Maike Hausberger zunächst die Bronzemedaille auf der Bahn. Nur kurze Zeit später dann die Krönung: Im Einzelzeitfahren auf der Straße fährt sie allen davon. Gold im Rennen gegen Gegner und Uhr. “Dort oben zu stehen, das war einfach so gigantisch”, erzählt sie.
Man bekommt vor allem von außen gesagt: ‘Hey, du bist jetzt Paralympics-Siegerin, Du kannst jetzt was erwarten'”, erinnert sich die 30-Jährige. Doch die Realität sehe anders aus, bilanziert sie heute frustriert: “Es ist tatsächlich so, dass ich lernen musste, wie wenig ein Paralympics-Sieg eigentlich in Deutschland doch wert ist.” Zwei Wochen vor Saisonbeginn sitzt Hausberger auf ihrem Straßenrad im Breisgau und trainiert. Ein Zeitfahrrad hat sie keines mehr. Nach ihrem Wechsel aus Cottbus nach Rheinland-Pfalz vor wenigen Monaten muss sie ihr Spezialrad in Brandenburg lassen. Doch selbst das “Gold-Rad” von Paris sei eigentlich längst nicht mehr qualitativ auf der Höhe gewesen, erklärt sie.

Mehr als 20 Stunden Training investiert Maike Hausberger jede Woche in ihren Sport, dazu kommen Trainingslager und Wettkämpfe. Mit einem Job natürlich nur schwer vereinbar. Sportfördergruppen bei der Polizei oder Bundeswehr, wie es sie für Olympia-Athleten gibt, sind für Para-Sportler nicht vorgesehen, auch Sponsoren zeigen wenig bis kein Interesse. So bleibt nur die Sporthilfe. Nach eigener Aussage erhält Hausberger 2000€ brutto im Monat. Zu wenig, um den Lebensunterhalt und ein Sportgerät davon zu finanzieren. Mindestens 15.000€ kostet ein gutes Zeitfahrrad.

“Mir wurde schon häufig die Frage gestellt, ob ich meinen Titel in Los Angeles verteidigen möchte. Da sage ich natürlich: ‘ja, gerne!’ Und mein zweiter Gedanke ist dann: ‘aber vielleicht kann ich’s mir gar nicht leisten.'”

“Mehr Amateur geht gar nicht, als ein internationales Zeitfahrrennen mit einem Straßenrad fahren zu müssen”, findet die Para-Goldmedaillengewinnerin. Das werde dem Rennen nicht gerecht, sagt sie. “Und es wird auch dem Niveau und dem Para-Sport nicht gerecht”, kritisiert Hausberger und hofft auf eine Verbesserung der Lage. Der württembergische Radsportverband versuche, ihr zumindest leihweise ein Rad zu organisieren. Das bestätigt der Verband auch gegenüber dem SWR. Für Maike Hausberger zumindest ein kleiner Hoffnungsschimmer, zwei Wochen vor Beginn der Wettkampfsaison.

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7 Comments

  1. Wahnsinn. Respekt an Maike, dass sie trotzdem durchzieht.
    Ich hoffe es findet sich ein Sponsor spitzen Leistung braucht und verdient auch spitzen Material.

  2. Schade, daß Sportler in Deutschland so wenig gefördert werden. Deutschland sollte einen Beispiel an den Niederlanden und Frankreich nehmen!!!

  3. Was ist nur los in Deutschland? Da wird von Inklusion und solchen Dingen gesprochen und dann schafft es dieses Land nicht mal, seine Aushängeschilder im Sport ordentlich zu fördern? Wir sind nur noch Schwätzer, die nichts mehr auf die Kette kriegen…

  4. Wir danken dem BDR, äh German Cycling, für wieder mal nix.
    Das ist der Verband der Europameister nicht zur WM schickt, passt also wieder mal.

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