ich habe bei mir in der Umgebung (Grenzregion Hessen/Bayern) bemerkt, dass es quasi keine Radwege außerorts gibt, die die Kriterien einer Benutzungspflicht erfüllen.

Das Bild ist nur ein Symbolbild und nicht in meiner Umgebung.

Damit meine ich:

**Durchgehend vorhandene Beschilderung**: Häufig wird diese an Einmündungen und Kreuzungen nicht wiederholt. Daher ist der Radweg ab diesem Punkt eigentlich kein Radweg mehr.

**Fahrbahnbegleitend**: Der Radweg muss zum selben Ziel führen und die Straße in <5m Entfernung begleiten. Weiterhin muss ein fahrbahnbegleitender Radweg die selbe Vorfahrtregelung haben. Außerorts wird gerade bei neueren Radwegen aber an Kreuzungen immer ein "Vorfahrt achten"-Schild an Kreuzungen und Kreisverkehren aufgestellt, obwohl die Straße an der Kreuzung eigentlich Vorfahrt hätte und der Radweg am Kreisverkehr ebenso.

**Akzeptabler Zustand**: Viele Radwege sind hier aus den 60er und 70er Jahren. Damals ging es nicht um Fahrradinfrastruktur, sondern darum den Autos Platz zu machen. Radwege wurden direkt am Waldrand gebaut, haben daher lauter Wurzeln und Schlaglöcher. Sie werden nicht geräumt im Winter, der Schnee der Fahrbahn wird sogar darauf verfrachtet. Keine Kehrmaschine kümmert sich um das Laub. Heruntergefallene Äste werden allenfalls von den Radfahrern zur Seite geräumt.

**Breite** Der Radweg muss weiter ausreichend breit sein. Die Benutzungspflicht betrifft dies zwar nur, wenn der Radweg dadurch wirklich unbenutzbar wird, dies ist aber mit Kinderanhänger teilweise wirklich der Fall.

Ich bin tatsächlich im Kopf alle Radwege außerorts in meiner Umgebung durchgegangen. Keiner davon erfüllt die Kriterien.

Ist das bei euch anders?

by Sp1nningwheel

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11 Comments

  1. Also der Radweg auf dem Bild sieht doch super aus abgesehen von den kleinen Vorfahrt Achten Schildern, die meist reine Steuerverschwendung sind. Hängt einfach massiv davon ab wo man gerade unterwegs ist. Im einen Moment fährst du auf dem Traumradweg, nen Kilometer weiter musst du schauen wie du zurechtkommst.

  2. EdwardDrinkerCope- on

    Meiner (leicht toxischen) Meinung nach werden 90% der Fahrradwege auch nicht gebaut, weil man Fahrradfahrern etwas Gutes tun will, sondern weil man Autofahrern etwas Gutes tun will. Nicht dass die am Ende noch kurz vom Gas oder an ihrem servounterstützten Lenkrad drehen müssten. Das spiegelt sich also im Zustand der Radwege wieder, ihrer Beschilderung, Vorfahrtsregeln etc., ganz unabhängig ob der Asphalt darauf vielleicht sogar ganz okay ist.

    Edit: Mein Lieblingsfeature von neuen Radwegen ist übrigens, dass dort Verkehrsplaner offenbar das ganze Spektrum an Hilfen für Sehbehinderte für sich entdecken (was ja an sich sehr positiv ist). An jeder Einmündung ratterst du dann über die weißen Platten mit taktilen Punkten und Leitlinien etc. rüber. Komischerweise will man Sehbehinderte immer unbedingt dabei unterstützen, nicht versehentlich auf einen Radweg zu gelangen, aber die Fahrbahnen für KfZ & Co werden nie mit solchen Hilfen markiert. Offenbar wäre es dem SUV-Fahrer mit 50cm-Reifen nicht zumutbar, beim Abbiegen über ein taktiles Leitsystem rüberzurollen, aber dem Radfahrer mit 3cm-Reifen schon.

  3. Nö, ist überall gleich. Manche kann man aber durchaus trotzdem befahren, andere kannst du völlig vergessen. Gute Radwege brauchen keine Benutzungspflicht.

  4. Wenn ich meine Heimat und meinen jetzigen Wohnort & Umgebung im Kopf durchgehe, fallen mir praktisch keine Radwege ein, die den Namen verdienen. Sehr häufig sind es auch nur Phantasieradwege, d.h. Gehwege mit Freigabe.

  5. eulen-spiegel on

    An einigen Stellen kann ich die Schilder verstehen, insbesondere, wenn der Radfahrer aus einem verschränkten, möglicherweise nicht einsehbaren Bereich kommt (Hecke zwischen Radweg und Landstraße z. B.).

    An anderen Stellen ist es überdeutlich, dass die “Autostraße” von den störenden Fahrradfahrern freigehalten werden soll – Radwege, die alle paar Meter enden, linksseitig angeordnet – ein Aufruf zum Selbstmord?

    Insgesamt hat sich aber schon viel auch positives getan.

  6. Du hast völlig recht.

    Trotzdem würde ich diesen Radweg gern und mit Lächeln auf dem Gesicht annehmen und auch dem gegentlichen Abbieger Vorfahrt gewähren 😉

  7. FlyThink7908 on

    Der gezeigte Radweg sieht nicht mal schlecht aus. Bleibt nur die Frage: Wie schaut‘s im Herbst/Winter aus? Wird geräumt? Bleibt nach dem Schnee noch ewig der Splitt liegen? Leider wird vieles, sobald mal gebaut, schön vergammeln gelassen.

    Bergauf nehme ich Radwege dankend an; bergab empfinde ich verpflichtende Radwege oft als eine Zumutung – besonders bei mehreren Kreuzungen.
    Wenn man mit dem Rad mit den Kfz mithalten kann, sagt zum Glück hier auch niemand was, aber strenggenommen ist es ein Verstoß.

    Schlimmer finde ich, wenn mir dann eben bei einem Gefälle Radler mehr oder weniger unkontrolliert entgegenschießen, die sich ja an die Regeln halten und der Nutzungspflicht nachkommen. Besonders zu Fuß auf gemeinsamen Wegen, die im schlimmsten Fall noch durch eine Bushaltestelle führen, wird es extrem unangenehm.

    Auf Komoot werden bspw. solche Wege dann mit „hier kann man‘s schön laufen lassen“, am besten gleich mit „hier habe ich die 70kmh erreicht“, kommentiert und ich denk mir nur „bitte, Harald, komm mir mit deinem E-SUV auf dem schmalen Weg nie entgegen“.

    Während des Stadtradelns konnte man kritische Stellen bei uns wieder melden und auch so habe ich ausführlich ans Landratsamt geschrieben, dass man doch bitte die blauen Lollis mal überprüfen sollte. In Persona wurde mir vom Verantwortlichen noch zugestimmt, danach leider alles gelöscht.
    Bergab suche ich mir daher Strecken, auf denen man Radwege vermeidet, um erst gar nicht in die Bredouille zu kommen.

  8. Also ich war bisher mit den meisten Radwegen außerorts zufrieden. Ich find auch den im Bild komplett gut.

    Selbst wenn ich Vorfahrt hätte, würde ich auf das Schild nicht hören und so fahren als hätte ich keine (vorsichtig ranfahren und sicher stellen, dass keiner mich überfährt) weil mir heil ans Ziel kommen mehr wert ist als paar Minuten sparen

  9. Top_Discipline_8665 on

    Ausweichen auf Fahrbahn aufgrund schlechtem Zustand ist für viele Autofahrer leider kein Grund mich auf ihrer Spur zu akzeptieren.

    Es gibt hier zwei Straßen die theoretisch einen Radweg haben. Da kann ich aber mehr abbremsen, anfahren und Schlaglöchern auswrichen als dass ich gescheit voran komme. 

    Wehe aber ich weiche auf die Straße aus.. 
    Es ist unfassbar was ich da schon alles für unangenehme Begegnung hatte deswegen. 

    Mit Kind auf einem schweren Lastenrad wohl bemerkt 

  10. > Damals ging es nicht um Fahrradinfrastruktur, sondern darum den Autos Platz zu machen.

    Damals? Schaut mal in die Autofahrer Subsreddits. Die fordern noch mehr Radwege entlang schöner und ruhiger Straßen, damit sie *freie Fahrt* haben.

    Das ist nur in Deutschland so. In Österreich gibt es für Rennräder (und große Lastenräder) gar keine Radwegbenutzungspflicht. In der Schweiz werden breite Radstreifen *außerorts* verwendet, wo es praktisch ist um bequemes Fahren zu ermöglichen. In Belgien bekommen sogar zweispurige Straßen einen Radstreifen und dazwischen einen *nochmals breiteren* Schutzstreifen. Damit man immer bequem auf der Straße fahren kann. In Spanien soll es angeblich ein Schild für verpflichtende Radwege geben, da sie aber Autos und Räder gleich behandeln, kann man nahezu immer die Straße verwenden (oft mit breiten und gereinigten Randstreifen).

    Deutschland? Radweg rechts, Fahrbahnquerung, Radweg links, Hundeleine, Radweg links, Pferdekacke, Glasscherben und natürlich immer ohne Fahrdamm. Und dann läuft die Gülle vom Landwirt darüber.

    Der größte Teil dieser *Fördergeldradwege* wird für Autofahrer gebaut. Und in der Innenstadt heißt es dann, kein Fördergeld, die Unterführung wird es nicht geben.

    Gute Radinfrastruktur in Deutschland? Wirtschaftswege. Erstaunlich wenig Glas und Unrat. Abseits der Straßen. Ruhig und meist in gutem Zustand.

    PS: Lauft wenn ihr das Wort *Fördergeld* hört. Es ist nahezu immer ein Fehlanreiz. Und das schlimme ist, es ist euer Steuergeld.

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