Platzwunder auf Schienen: 5 überraschende Erkenntnisse aus dem neuen Vandrelyst-Konzept

Wer sich intensiv mit Van-Ausbau beschäftigt, kennt das Problem: Standard-Grundrisse wirken oft wie ein starres Tetris-Spiel, bei dem man als Nutzer den Kürzeren zieht. Die Wände sind fix, die Schränke wuchtig und der Gang im Sprinter ist oft so schmal, dass man sich als „Zentimeter-Fuchser“ fühlt, sobald zwei Personen gleichzeitig im Wagen stehen. Besonders beim 4×4 Sprinter-Chassis mit seinen spezifischen Platzverhältnissen stoßen konventionelle Konzepte schnell an ihre Grenzen.

Vandrelyst, die Manufaktur aus der Nähe von Kiel, bringt hier über 20 Jahre Campingerfahrung und echtes Tischlerhandwerk ein, um radikal umzudenken. Ihr neuestes, noch namenloses Konzeptfahrzeug auf Basis eines Mercedes Sprinter 4×4 ist eine Kampfansage an die Raumenge. Das Geheimnis? Vertikales Denken. Durch das verbaute SCA-Aufstelldach wandert der gesamte Schlafbereich „nach oben“, was im Erdgeschoss Räume schafft, die man in einem 6-Meter-Van sonst vergeblich sucht.

Hier sind fünf Erkenntnisse, wie technisches High-End-Engineering und cleveres Design das Vanlife revolutionieren.

1. Weg mit den starren Wänden: Modularität neu gedacht

Eines der größten Ärgernisse für moderne Van-Besitzer ist die mangelnde Flexibilität. Einmal ausgebaut, bleibt das Fahrzeug meist für immer ein Camper. Vandrelyst bricht dieses Dogma durch ein konsequentes System aus Airline-Schienen und reversiblen Modulen.

Der Clou: Ein kompletter Seitenschrank kann mit nur drei Flügelschrauben und völlig werkzeugfrei entfernt werden. In Kombination mit der hochflexiblen Schnirle-Sitzbank (einem Goldstandard für Sicherheit und Modularität) verwandelt sich der Wohnraum binnen Minuten in eine riesige Ladefläche. Wer am Wochenende sein 10.000 € teures Carbon-Bike sicher im Innenraum transportieren will, statt es auf einem Heckträger dem Wetter und Dieben auszusetzen, findet hier die perfekte Lösung.

2. Warum die fest verbaute Dusche oft ein „teurer Kleiderschrank“ ist

In der Fachwelt ist die feste Nasszelle auf sechs Metern Fahrzeuglänge hochumstritten. Sie frisst wertvolle Zentimeter und erzeugt ein beklemmendes Raumgefühl. Vandrelyst verzichtet bewusst darauf, um Wohnkomfort und Modularität überhaupt erst zu ermöglichen. Der Experte Christian bringt es im Interview auf den Punkt:

„Es ist ein sehr teuer erkaufter Kleiderschrank, sage ich jetzt mal böse. […] Wenn es möglich ist, würden wir also bei einem 6 m Fahrzeug drauf verzichten.“

Indem die starre Duschkabine weicht, gewinnt das Fahrzeug massiv an Fahr- und Wohnkomfort. Stattdessen setzt das Konzept auf eine flexible Heckdusche. Dieser bewusste Verzicht ist die Voraussetzung dafür, dass die Seitenmodule variabel bleiben und das Raumklima luftig wirkt.

3. Die Küche: Doppelte Funktion durch Toplader

Im schmalen Gang des Sprinters sind schwingende Kühlschranktüren ein technischer Albtraum – erst recht, wenn man eine breite Schnirle-Sitzbank nutzt. Da die Bank auf Schienen gleitet, ändert sich der Freiraum ständig. Eine herkömmliche Tür würde in vielen Positionen schlicht blockieren.

Die Lösung: Zwei integrierte Toplader-Kühlboxen im Küchenblock.

* Engineering-Vorteil: Der Zugriff erfolgt von oben, unabhängig von der Position der Sitzbank.
* Arbeitsfläche: Die geschlossenen Boxen fungieren als zusätzliche Schnittfläche, wodurch die nutzbare Küchenfläche verdoppelt wird.
* Energie: Das System ist für maximale Autarkie ausgelegt und kann auf Wunsch komplett gaslos betrieben werden.

4. Privatsphäre im Heck: Ein echtes Separée mit System

Trotz des Verzichts auf eine Nasszelle bietet Vandrelyst eine intelligente Lösung für das „stille Örtchen“. Im Heck wurde ein Bereich geschaffen, der durch klappbare Schrankelemente und Türen zu einem echten Separée umfunktioniert werden kann.

Hier zeigt sich die Liebe zum Detail: Die Toilette ist leicht erhöht verbaut, um eine ergonomische Sitzhöhe zu garantieren. Ein besonderes technisches Detail ist die wasserdichte Versiegelung des unteren Bereichs – so kann Feuchtigkeit (etwa durch Neoprenanzüge oder die Nutzung der Heckdusche) keinen Schaden am hochwertigen Innenausbau anrichten. Selbst für den sperrigen Matratzen-Topper der Sitzbank (liebevoll „Wurst“ genannt) gibt es einen speziellen Klappmechanismus zur sicheren Verstauung.

5. Schwingraum ist Luxus: Seilsysteme statt Klappen

In einem kompakten Van mit einer breiten Dreiersitzbank von Schnirle bleibt fast kein „Schwingraum“. Herkömmliche Schrankklappen würden ständig gegen die Kopfstützen oder Passagiere schlagen. Vandrelyst setzt daher auf elastische Seilsysteme (Shock-Cords).

Diese Lösung ist die perfekte Symbiose aus technischer Ästhetik und praktischem Nutzen. Nichts klappert, der Inhalt ist gesichert, und man hat sofortigen Zugriff ohne im Weg stehende Türen. Es unterstreicht den modernen, fast industriellen Design-Ansatz, der sich deutlich vom klassischen „Eiche-Rustikal-Wohnmobil“ abhebt.

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4 Comments

  1. Moinsen, grundsätzlich finde ich das sogenannte „Bulli Layout“ cool , aber mal ehrlich: das ist leider nur eine Kopie von Custom Bus aus Hannover und die haben ein Design mit mehr Klasse ..

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