







Vor ziemlich genau einem Jahr habe ich mir das bisher teuerste Objekt meines Lebens gegönnt: ein neues Fahrrad, genauer gesagt ein E‑Bike.
Der Anlass war eine neue Arbeitsstelle und ein Umzug. Da meine Wohnung und der Arbeitsplatz mit den Öffis kaum zu erreichen sind, musste eine Alternative her: entweder Auto oder Fahrrad. Nach kurzer Recherche (und der Erkenntnis, dass Autos einfach enorm teuer sind) fiel die Wahl auf das (leider ebenfalls nicht gerade günstige) E‑Bike. Und bis heute habe ich diese Entscheidung keine Sekunde bereut.
Seitdem liegen über 5000 km hinter mir: ein platter Reifen, unzählige YouTube‑Videos zur Wartung und Pflege, zwei Stürze (einmal Unaufmerksamkeit, einmal Glatteis), viele Sonnenaufgänge; und Begegnungen mit Fasanen, Rebhühnern, Hasen, Rehen, Reihern, Fröschen und Füchsen. Das Beste daran: jeden Arbeitstag frische Luft und Bewegung statt Stau im Auto oder stickigem Bus.
Schon nach kurzer Zeit habe ich gemerkt, wie gut mir das tägliche Radpendeln tut, sowohl körperlich als auch mental. Ich bin sogar schneller als der Bus, obwohl meine Strecke rund 12 km pro Richtung beträgt.
Abgesehen von den Anschaffungskosten (etwa 2800 €) und einem Werkstattbesuch fürs Vorderrad‑Zentrieren hatte ich bisher nur kleinere Ausgaben: Bremsbeläge und -scheibe, Kettenöl, ein Schlauch. Der Stromverbrauch ist auch vernachlässigbar. Finanziell betrachtet war die Entscheidung also ebenfalls sinnvoll.
Im Winter wurde es zwischendurch ziemlich kalt, was die Akkureichweite zeitweise fast halbiert hat. Trotzdem kam ich mit der vorhandenen Kleidung gut aus, nur eine Warnweste fürs Fahren im Dunkeln kam noch dazu. Eine wichtige Lektion aus Herbst und Winter: Das richtige Kettenöl zur richtigen Zeit spart Verschleiß, Reibung, Rost und Nerven.
Eine andere Erkenntnis: Zum reinen Spaß fahre ich eigentlich ungern Rad. Wege, die auf der Karte einladend aussehen, entpuppen sich oft als Matschpisten mit Schlaglöchern oder als stärker befahrene Straßen als gedacht. Und wenn man mal eine schöne Ecke entdeckt, rauscht man oft zu schnell daran vorbei. Gespräche unterwegs sind auch schwierig. Für bewusstes Erleben bleibe ich daher lieber beim Wandern – weniger effizient, aber deutlich entspannter.
Trotzdem: Für den Alltag und fürs Pendeln ist das E‑Bike für mich die beste Option. Solange kein tiefer Schnee liegt oder das Wetter gerade Weltuntergang spielt, bleibe ich auf zwei Rädern unterwegs.
Die Wahl fürs E‑Bike mag in meinem Alter vielleicht ungewöhnlich wirken, war aber rückblickend genau richtig. Egal ob Gegenwind, Müdigkeit oder Periodenschmerzen, ich kann die Anstrengung so drosseln, dass ich weder auf der Arbeit noch daheim völlig erschöpft ankomme.
In diesem Sinne: Mal sehen, wie oft es mich im kommenden Jahr auf die Schnauze legt und ob die Rehe immer noch so gelassen bleiben, wenn ich an ihnen vorbeifahre.
by Sveagol
2 Comments
Schöne Eindrücke!
Um zum Wandern in die Natur zu kommen (in meinem Fall speziell mit Fotoausrüstung), ist das Pedelec dann wieder hervorragend geeignet.
Wenn’s Spass macht und du auch noch meinst, dass es dir gut täte, dann ist ja alles gut.
Noch weiterhin gute Fahrt.
Dein Post schreit ja geradezu nach der Frage, da du es ja selber ansprichst: wie alt bist du denn (notfalls halt Altersgruppe)?