Fehlendes Training, harter Gegenwind, leichter Nieselregen, 10 °C — die Cycling Tour in Magdeburg war für mich vielleicht doch eine Nummer zu groß. Mir fehlte ständig die Kraft, ich bin regelmäßig aus Gruppen herausgefahren und sah mich schon hinter dem Besenwagen. Mit einem Schnitt von 33,6 km/h war ich deutlich schneller als der Besenwagen, aber bei diesem Rennen hatte ich streckenweise wirklich kaum Freude.

Bevor es in drei Wochen nach Schwerin geht, sollte ich vielleicht doch mal ein bisschen besser trainieren, mich besser ernähren und es wohl auch einfach mal etwas langsamer angehen lassen. Bringt ja nichts, gleich Vollgas zu geben.

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2:34 Start mit Teufelchen
5:37 Rauf auf den so genannten Stadtring. Geradeaus und dann links ginge es direkt ins Hotel und wieder ins Bett.
7:25 Runter vom Stadtring und direkt wieder rauf. Nicht, wie ich erst argwöhne, der fünf Höhenmeter wegen, sondern weil die Brücke baufällig ist.
30:11 Hier passe ich nicht auf und fahre auf der Ideallinie durch den Kreisverkehr. Die beiden Radfahrer hinter mir habe ich trotz Schulter- und Spiegelblick nicht gesehen.
30:35 „Ein Zug!“ — worüber man sich halt freut während eines Radrennens.
31:27 Halloween ist ja auch bald wieder.
32:52 Rein in den Anstieg und erstmal ein Gel schlucken.
40:35 Hier hat’s direkt in der Streckentrennung gebrannt, deshalb fahren wir erst nach links. Weiter nach links geht’s auf die kurze Strecke, weiter nach rechts auf die Langstrecke. Das kriegen trotz mehrfacher Durchsagen beim Start nicht alle mit und die Beschilderung, die für die Langstrecke immer noch geradeaus anzeigt, ist auch nicht soooo hilfreich.
42:34 Wieder mal rein in den Gegenwind und ein bisschen kreiseln.
46:27 Im Windschatten bekomme ich die 37 km/h im harten Gegenwind für lockere 150 W. Ein paar Momente später übernehme ich die Führung und muss gleich doppelt so viel treten…
47:50 … werde aber auch gefeiert wie bei der Tour de France.
49:30 Ein paar andere übernehmen die Führung und wir werden ständig überholt. So langsam merke ich, dass mir heute einfach der Bums in den Beinen fehlt, um da mitzuhalten.
53:40 Wir kreiseln wieder, ich übernehme mit einer Herzfrequenz von 171 bpm die Führung — ich kann schon auf den Zahlen von Garmin ablesen, dass das hier nichts wird.
54:30 Die nächste Gruppe kommt, meine Mitstreiter von hinten reihen sich ein, aber ich habe mit 180 bpm gerade überhaupt keine Chance, dort mitzuhalten.
58:46 Die nächste Gruppe kommt und ich versuche einfach mal wieder mitzuhalten, um kurz darauf wieder einzubrechen. Zwischendurch hat es ein bisschen genieselt, mir ist kalt und ich habe gerade wirklich wenig Freude.
1:06:13 Hier geht’s in mehreren Kurven den Berg hoch und mir fehlt hier für alles die Kraft.
1:08:32 „Komplett leer wie bei den Cyclassics vor dem Ziel!“
1:14:00 Von hinten hat mich wieder eine Gruppe eingeholt, in der ich gut mitfahren kann…
1:44:40 … bis nach einer halben Stunde wieder die Kraft weg ist. Und wie letzte Woche bei den Cyclassics lasse ich mich im Abstieg (!) abhängen.
1:48:34 Einfach keine Kraft mehr gehabt.
1:48:46 Wer kennt’s? „Wer keine weiche Birne hat, kauft harte Äpfel aus Halberstadt!“
1:49:02 Hinter mir nähert sich die nächste Gruppe, bis dahin muss ich wieder fit sein.
1:50:04 Hat jetzt nicht so gut funktioniert.
1:51:25 Ich habe ernsthafte Bedenken, dass mich zeitnah der Besenwagen einholt, obwohl ich 6 km/h über dem geforderten Durchschnitt fahre. Später kriege ich raus: Der Besenwagen fährt etwa zweieinhalb Stunden hinter mir. Ich hätte also noch gemütlich in eine Dorfkneipe gehen können und wäre trotzdem rechtzeitig im Ziel. Jetzt wird aber erstmal gejammert, dass mir kalt ist und ich heute einfach keine Kraft auf die Straße bekomme.
1:52:30 Ich gehe erstmal was essen und dann fahre ich ganz in Ruhe dieses Rennen fertig. Dabei sein ist alles.
1:53:22 Zu Tisch! Ich schlage mir den Wanst voll, so dass der Körper erstmal mit der Verdauung und nicht mit Radfahren beschäftigt ist. Ganz bestimmt eine tolle Idee.
1:54:44 Immerhin freuen sich die Leute, dass ich vollbeladen mit Banane und Birne im Maul vorbeifahre. Ab jetzt passiert erstmal eine Weile nichts und ich fahre grantelnd weiter.
2:06:15 Eine kleine Windmühle.
2:34:15 Schon wieder rausgefallen. „Kalt, keine Kraft, Krampf, alles mit K!“
2:37:50 Schon wieder Angst, dass der Besenwagen auftaucht.
2:41:30 Nun aber. Diese Gruppe hält wirklich bis ins Ziel.
2:43:30 Wir beschließen zu dritt: Es ist einfach zu kalt.
2:51:04 „Zuckerdorf!“
2:53:28 Fans abklatschen. Der Feuerwehrmann war ein bisschen doll 😀
3:27:07 Wieder runter vom Stadtring und wieder rauf.
3:30:31 Wie auch immer: Hier fahre ich locker an allen vorbei nach vorne.
3:33:39 Ich hab zwar keine Kraft mehr, aber wozu jetzt schlapp machen, wenn eh alles egal ist? Ab zum Zielsprint: „Darf ich mal durch? Ich hab noch ’n bisschen Bock!“ Natürlich 400 m vor dem Ziel viel zu früh.
3:34:26 Ziel.

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8 Comments

  1. Es gibt aber auch noch eine andere Erklärung, woran es gelegen hat.

    Ich neige dazu, bei solchen Radrennen einen Ohrwurm von der Musik zu bekommen, die beim Start gespielt wird. Das war bei meiner ersten Teilnahme an den Hamburger Cyclassics „Right here, right now“ von Fatboy Slam, das war auch schon mal „Highway to hell“ von ACDC beim Schweriner Jedermann-Radrennen, und es hätte in Magdeburg „The final Countdown“ von Europe sein können.

    Hätte. Stattdessen leierte es in meinem Kopf ständig „Stefan und Bully“, Dudelududelei, „gegen irgendso’n Schnulli!“ Ich hatte nämlich am Vorabend für einen ganz kurzen Moment im Hotel den Fernseher eingeschaltet und mir die Titelmelodie dieser Sendung anhören müssen.

    Naja.

  2. Es war mein erstes Rennen und ich bin aus dem E-Block gestartet. Ich war langsamer als du, hatte aber dennoch jede Menge Spaß und das Feeling war einfach Mega. Im Ziel waren es dann 3:41:31 und 32,15 km/h im Schnitt.

  3. Authentisch, ehrlich und sich selber nicht zu ernst nehmen, so mag ich das. Und bei all dem 'Gejammere' immer noch einen 33er-Schnitt ballern, ist doch grad bei den widrigen Umständen aller Ehren wert.

  4. Respekt, 118 KM sind mir zu viel.
    War auch dabei, allerdings nur die 50 Km Runde . Bei uns blieb es trocken. Die Strecke fand ich sehr schön und die Beine waren auch gut. Meine Zeit war 1:13:25 Std. Wenn alles gut geht bin ich in Schwerin auch dabei. Hab mir nur dummerweise nach dem Rennen eine starke Bänderdehnung zugezogen (umgeknickt) . Vielleicht bis Schwerin. ich trage ein Husky Trikot.

  5. Erstmal super Videos – schon die Eindrücke aus Eschborn waren sehr erhellend.
    Und vor allem bei Jedermannrennen ist die Leistung immer relativ – ich bin ebenfalls fast nur zwischen den Gruppen unterwegs gewesen und am Ende mit 31,50er Schnitt durchs Ziel.
    Das Erlebnis war es dennoch wert und auf dem Fahrrad für mich eine ordentliche Leistung über 120km. Immerhin lag bisher kein Fokus auf dem Rad.
    Von daher – Mund abputzen und Schwerin genießen ;D. Wenn ich mal nicht in Berlin laufe fahre ich das Rennen bestimmt auch einmal – Die Strecke kann ich mir ja sicherlich hier vorab anschauen ;D

    Für den Fahrer bei ca. 26:30 stand übrigens keine 10min. später bereits der Rettungsheli bereit – ich hoffe wirklich da bleibt nichts gravierendes!

    Eine Frage in eigener Sache: Welche Software nutzt du für das Overlay?

    LG ;D

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