Hallo zusammen. Im letzten Sommer sind meine Freundin und ich mit der Fähre zu den Färöer-Inseln gefahren und haben eine zehntägige Bikepacking-Tour auf acht der 18 Inseln unternommen. Da das unsere bisher verrückteste Radreise war und wir auch kaum andere Radler getroffen haben, will ich hier einfach mal ein paar Eindrücke zum Land und der Tour hinterlassen.

Die Färöer

Das Land befindet sich etwa in der Mitte zwischen den Shetland-Inseln und Island. Die Hauptstadt Tórshavn ist per Fähre – der Norrøna – auf einer 30-stündigen Fahrt vom dänischen Hirtshals aus zu erreichen. Auf den 18 (teilweise unbewohnten) Inseln leben etwa 54.000 Menschen. Zwar gehört die Inselgruppe quasi zu Dänemark, ist aber autonom mit eigener Währung und Regierung. Man kann aber auch mit dänischen Kronen zahlen. Allerdings gehört das Land nicht zur EU, weswegen Roaming teuer wird und man sich lieber eine eSim kaufen sollte. Aber dafür benötigt man keinen Reisepass.

Radfahren auf den Färöer

Radwege gibt es keine. Ausnahmen sind ein paar wenige in der Hauptstadt. Auch gibt es aufgrund der steilen Berge und Hänge auch nur wenige Straßen, die die Orte miteinander verbinden. Diese sind meist recht ruhig, aber zwischen den größeren Orten kann auch zu Stoßzeiten viel Verkehr herrschen, wobei ein großer Anteil der Autos auch von Touristen gefahren wird.
Es gibt ein paar wenige Schotterwege, die aber meistens in eine Sackgasse z.B. zu einem Stausee führen. Auf Wanderwegen zu fahren ist verboten und sicherlich auch nicht empfehlenswert, da sie extrem matschig und abschüssig sein können.
Die Wege zwischen den Orten sind nicht weit und man sollte aufgrund des Wetters auch nur kürzere Wege einplanen. Zudem befinden sich auch die Orte oft am Ende einer Straße, direkt an der Küste. Richtige Rundtouren kann man also nicht fahren und man fährt oft die gleiche Straße wieder zurück.

Es gibt recht flache Straßen entlang von Fjörden, ein paar spektakuläre Bergpässe und eigentlich nur eine Straße durch ein richtiges Tal. Zudem bauen die Färöer sehr gerne Tunnel. Die meisten kann man mit dem Rad befahren, aber einige der Unterwassertunnel sind explizit gesperrt und man müsste auch lebensmüde sein, um diese fahren zu wollen. Man kann in diesem Fall dann die Busse nutzen. Manche Inseln, wie die sehr empfehlenswerte und südlichste Insel Suðuroy, werden mit der Fähre erreicht.

Übernachten auf den Färöer

Wir waren mit Zelt unterwegs, da es zum Glück recht viele Campingplätze gibt. Pensionen und Hotels würde ich nicht empfehlen, da die gerade in der Hauptsaison ausgebucht und völlig überteuert sind. Die Campingplätze besitzen meistens eine Zeltwiese und einen Aufenthaltsraum mit Küche. Man benötigt also nicht unbedingt Gaskocher und Campinggeschirr. Da fast immer ein sehr kräftiger Wind weht und es aus Eimern schütten kann, sollte man ein solides Zelt dabei haben. Wir haben ein paar Zelte gesehen, die es weggeweht und zerfetzt hat.

Das Wetter

Der vermutlich größte Abturner für eine Reise auf zwei Rädern ist das Wetter. Wir waren Mitte August unterwegs und hatten nur an einem unserer zehn Tage Sonnenschein. An allen anderen Tagen hat es geregnet – mal weniger, mal den ganzen Tag. Verbunden mit heftigen Böen kann es einem schon mal den Regen waagerecht ins Gesicht peitschen. Ein paar Mal mussten wir absteigen und schieben, da der Wind uns einfach umgepustet hat. Gerade auf den Bergpässen kann es mitunter auch durch dichtem Nebel gefährlich werden. Das Wetter ist auch völlig unvorhersagbar, weswegen jederzeit mit allem zu rechnen ist. Das einzig Gute ist, dass aufgrund der konstant niedrigen Temperaturen Gewitter nur sehr, sehr selten sind. Wir hatten meistens Temperaturen von nachts 8 bis tagsüber 13 Grad. Wenn die Sonne mal rauskam, konnten es auch mal 16 Grad werden. Im Winter sind die Temperaturen nicht viel geringer, aber der Regen und die Stürme noch heftiger.

Die Landschaft…

… ist einfach unglaublich. Es ist eigentlich völlig egal, wo man ist, irgendwo ist etwas schönes zu sehen. Riesige Wasserfälle, schier endlose Klippen und skurille Felsformationen im Wasser. Der höchste Berg ist 880 Meter hoch und an dessem Fuße liegt der höchste Bergpass, also den höchsten Punkt den ihr mit dem Rad erreichen könnt. Man befindet sich hier zwar nur etwa 400 Metern über dem Meeresspiegel, aber die Ausblicke sind atemberaubend.
Die Inseln sind allerdings sehr schroff und es gibt nur ein paar wenige, künstlich angelegte Wälder. Dafür sind die Wiesen immer grün und beherbergen unzählige Schafe, die tatsächlich mehr Angst vor Fahrrädern als vor Autos haben. Zu den großen "Highlights", die auf YouTube und co. beworben werden, führen oft nur teure und geführte Wandertouren. Man kann hier schnell in Touristenfallen tappen. Aber die Landschaft hat genug kostenlos zu bieten.

Unsere Touren

Wir haben sehr unterschiedliche Touren erlebt. Gerade am zweiten Tag hatten wir es mit so üblem Wetter zu tun, dass wir gerade mal 13 Kilometer geschafft haben. Ich muss aber dazu sagen, dass ein Kumpel mit Auto zeitgleich auf den Inseln war und uns und die Räder ab und zu transportiert hat. Da sein Gefährt aber am vierten Tag den Geist aufgab, waren wir danach auf uns allein gestellt.
Unsere längste Tour war 83 Kilometer lang mit etwa 1100 Höhenmetern.
Den meisten Radelspaß hatten wir auf den alten Bergpässen auf Suðuroy, im Tal nach Saksun und auf der einsamen Insel Kalsoy, wo es aber auch nur eine Straße mit mehreren Tunneln gibt.
Insgesamt sind wir 355 Kilometer bei 6500 Höhenmetern gefahren.

Fragen?

Falls ihr Fragen zur Tour oder zu den Inseln habt, beantworte ich die gerne. Vielleicht hat auch schon jemand unsere Video-Serie gesehen, die natürlich am besten die Eindrücke vermittelt (ich hoffe, dass das noch nicht als Werbung zählt).
War jemand von euch schon mal dort mit dem Fahrrad unterwegs? Würde mich ebenfalls sehr interessieren. 🙂

by Zeltenbummler

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2 Comments

  1. According-Post-7721 on

    Mega schön, zumindest laut den Fotos ☺️🥹🥰❤️

    Text lese ich später 😉

  2. Danke für die Bilder und den Bericht. Gehört definitiv zu den Reisezielen, die ich nicht mit eigenen Augen gesehen haben muss.

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