
Ich1 habe Ende des Sommers zum ersten Mal mit meinem neuen Gravelbike fahren können und konnte dann endlich eine Frage beantworten, die ich mir schon lange vor dem Kauf selbst gestellt hatte und vielleicht auch für andere interessant sein kann:
Wie viel schneller bin ich denn jetzt nun mit dem neuen Gravelbike im Vergleich zu meinem bisherigen Trekkingrad?
Disclaimer:
– Dieser Post ist eine Art "Selbstexperiment" und keine wissenschaftliche Studie
– Mir ist bewusst, dass zwei Fahrten (speziell ohne genauere Messung durch ein Powermeter o.Ä.) nicht vergleichbar sind, da viele Faktoren dabei einen Einfluss auf die Geschwindigkeit haben können (u.a. Tagesform/Fitness, Verkehr, Temperatur, Wind usw.)
Die Räder:
KTM Avenza Cross Street (ca. 6 Jahre alt, Link ist zur aktuellen Version) – ein Trekking Rad mit Alurahmen, Vollausstattung, 3-fach-Kurbel (27 Gänge), hydraulischen Scheibenbremsen, einer aufrechten Sitzposition und einem Gewicht von etwa 16kg (inklusive Flaschenhalter und Gepäckträger)
Rose Backroad AL (GRX400) – ein Gravelbike mit Alurahmen, 2-fach-Kurbel, hydraulischen Scheibenbremsen, gemäßigten aber dennoch sportlichen Sitzposition und einem Gewicht von ca. 10,5 kg (inklusive Pedale und Flaschenhalter)
Der Fahrer:
Männlich, ca. 78kg zum Testzeitpunkt, 1,75m groß, durchschnittlich trainiert, aber in den letzten Jahren schon regelmäßig sportlich und auch auf dem Rad aktiv
Der Vergleich:
Ich bin meine "Hausrunde" jeweils mit den Rädern als Time Trial gefahren (unterschiedliche Tage), hatte identische Kleidung an und war an beide Fahrräder schon gewohnt, war ähnlich ausgeruht davor und auf einem ähnlichen Fitnesszustand (zwischen den Fahrten lagen ca. 3 Wochen aber auch nur wenig sportliche Aktivität weil Urlaub). Messdaten vom Wahoo Elemnt Bolt v2 / Strava
Die Teststrecke
Meine "Hausrunde" (50+ mal gefahren) mit ca. 23km, 205 hm, eine "größere" Abfahrt, dann Teil eines Flussradwegs und anschließen mehrere kurze, aber knackige Steigungen zurück. Siehe Streckenprofil:
|Kategorie|Trekkingrad|Gravelbike|Differenz|
|Zeit (In Bewegung)|1:00:32|57:11|- 03:21|
|Durchschnittliche Geschwindigkeit|22,7 km/h|24,1 km/h|+ 1,4 km/h|
|Max. Geschwindigkeit|54,5 km/h|58,5 km/h|+ 4,0 km/h|
|Trittfrequenz (Durchschnitt/max.)|65 / 115 rpm|69 / 107 rpm|+4 / -8 rpm|
|Strava Segmente + Bestzeiten für best. Strecken: (Gold/Silber/Bronze)|2 / 1 / 2|4 / 1 / 1|+2 / 0 / -1|
|Beste 10km (Zeit / km/h)|19:19 / 31,1 km/h|19:06 / 31,4 hm/h|-0:13 / +0,3 km/h|
Weitere Beobachtungen:
– In einer späteren Runde mit dem Gravelbike war ich dann sogar nochmal schneller mit 25,0 km/h im Durchschnitt, allerdings auch durch weitere Fahrten fitter. Eine gewisse Gewöhnung kann allerdings auch nochmal eine Rolle gespielt haben.
– Die goldenen Segmente mit dem Gravelbike waren Anstiege und ein Flachstück
– Das Gravelbike fährt sich viel direkter und man merkt deutlich das geringere Gewicht in der Beschleunigung und natürlich auch im Anstieg.
– Der Unterschied in den Flachstücken (siehe auch beste 10 km) ist nicht besonders groß, was auch daran liegen könnte, dass ich auf dem Trekkingrad in Flachstücken die nicht UCI-konforme "Forearm" Sitzposition (Unterarme auf Lenker) verwende. (Nur wenn gefahrlos möglich)
TL;DR / Fazit :
Meine persönliche Erfahrung ist, dass man auf einer Strecke von ca. 1h / 200 hm gegenüber dem Trekkingrad etwa 1,5 – 2,0 km/h schneller ist.
Welche Erfahrungen habt ihr da gemacht?
Was überrascht euch?
Fragen und Feedback auch gerne immer 🙂
by Invective_KixX
7 Comments
Verdammt, ich bin gerade dabei mir einzureden, dass ich mit meinem vor 5 Jahren gekauften Stahl-Trekkingrad “für die Ewigkeit” hochzufrieden bin und ein Gravelbike/Randonneur doch eh keinen wirklichen Unterschied macht und überhaupt nur sinnloses Geldausgeben ist…
Hilft natürlich nicht, dass Falkenjagd gerade mein absolutes Traumbike in Form des Aristos mit elektronisch geschalteter Pinion rausgebracht hat. Und es auch noch einen Falkenjagd-Händler in meiner Stadt für Probefahrten gibt. Und an Weihnachten kann man sich ja auch mal was gönnen.
Zum Glück würde meine Frau berechtigterweise etwas kariert schauen, wenn ich den Wert eines Kleinwagens in ein Fahrrad stecken würde. Yay für ein gutes externes Korrektiv.
Spannendes Experiment, leider ist deine “Tabelle” mit den Rohdaten von der Formatierung nicht gut lesbar, evtl kannst du da editieren?
Meine Erfahrungen: Ich hab ca. 10 verschiedene Räder (frag nicht…) und fahre auch oft eine ca 20 km Runde auf dem Weg zur Arbeit. Diese Runde bin ich sicher 1000+ mal gefahren (mit Abwandlungen nach Lust und Laune) und mit fast jedem dieser Räder. Einige davon haben auch ein PM. Die Runde ist ziemlich flach, also spielt das Gewicht hier keine große Rolle. Hier also meine Erfahrungen zu Geschwindigkeitsfaktoren in absteigender Reihenfolge:
1. Sitzposition: Kraftübertragung. Ich habe ein Hollandrad [(Bild 1 hier)](https://www.reddit.com/u/map3k/s/l2MwaIAYSs) mit sehr flachem Sitzwinkel und damit kann man quasi die Oberschenkel nur sehr schlecht aktivieren und man bekommt einfach keine Kraft aufs Pedal. Die Kraft kommt fast nur aus dem Gesäßmuskel. Durchschnitt im Flachen ca 17-18 km/h
2. Sitzposition: Aerodynamik. Auf meinem Rennrad mit Aero-Aufsatz [(Bild 5 hier)](https://www.reddit.com/u/map3k/s/l2MwaIAYSs) bin ich bei ansonsten sehr ähnlichen Komponenten und ähnlicher Geometrie, sowie mehr Gewicht, ca 2-3 km/h schneller im Flachem als auf meinem anderen Rennrad. Durchschnitt im Flachen ca 32 km/h. Abgestuft merkt man danach dass bei jedem Rad wo die Sitzposition höher ist die Geschwindigkeit sinkt.
3. Reifen. Macht krass viel mehr aus als ich dachte. Ich hab 2 ähnliche Touring-Räder von denen das ältere, billigere “Schrottrad” [(Bild 3 hier)](https://www.reddit.com/u/map3k/s/l2MwaIAYSs) aber (aus guten aber hier irrelevanten Gründen) die deutlich schnelleren Reifen hat, Continental GP Urban vs Continental Contact Urban. Allein das macht 1-2 km/h aus. Ca 28 km/h flach vs ca 26-27.
4. Pflegestatus Antrieb. Ich wachse meine Ketten, aber wenn man nach einer Regenfahrt doch mal relativ “trocken” nach Hause fahren muss merkt man ca 0,5-1 km/h Unterschied.
Alle anderen Faktoren sind diesen gegenüber in meiner Erfahrung ziemlich irrelevant.
Ich habe einen sehr ähnlichen Vergleich im Angebot. Vor zwei Jahren bin ich von meinem 20 Jahre alten “Trekkingrad” (umgebautes Crossrad, Al, 622) auf ein Kona Rove (Stahl, 650B) umgestiegen. Die erste Ausfahrt war eine ähnlich (25 km) lange Runde. Ich war im Durchschnitt sogar ganze 3 km/h schneller.
Ich habe ein Touringrad, Rennrad und Triathlonrad. Die Unterschiede sind ähnlich–etwa 3 kmh zwischen Touring- und Rennrad, und nochmal 2 kmh zwischen Renn und Triathlonrad.
Reifen machen davon relativ viel aus. Auf mein Touringrad habe ich Schwalbe Marathons mit butyl Schläuche, die haben relative höhen Rollwiderstand im Vergleich zum Specialized Turbocottons mit Latex Schläuche. Wenn ich die gleiche Reifen und Schläuche auf dem Touringrad hätte wäre der Unterschied nicht so gross, glaube ich.
Ich habe zwei Vergleiche, einen davon ohne Messung aber recht offensichtlich, der andere mit Messung.
Beim ersten Vergleich, bin ich mal eine ganze Zeit lang immer mit den Bikesharing Rädern der Stadt gefahren. Die Teile sind natürlich fette Stahlräder mit tiefem Einstieg, hatten eine CVT Naben”schaltung”, dicke Pannensichere Reifen, und ansonsten auch gebaut um die Apokalypse zu überstehen. Als ich dann endlich mal dazu kam das alte, aber gute Trekkingrad vom Vater zu reparieren, kam ich mir vor wie auf einer Rakete.
Zweiter Vergleich ist ein relativ günstiges, aber modernes Gravelbike. Da natürlich schon mal schneller als das Trekkingrad, aber der größte Unterschied waren die 10 vs. 7 Gänge, mit denen ich besser den richtigen Gang finden konnte. Hab mich immer gefragt, warum man so viele Gänge braucht, wenn man damit nicht die Übersetzungsweite vergrößert. Jetzt weiß ich, wie viel “der richtige Gang” bei der Ausdauer haben kann.
Dann bin ich von den 40mm Gravel Reifen mit Butyl-Schläuchen auf 30mm Rennradreifen mit TPU-Schlauch umgestiegen (knapp 250g pro Laufrad weniger), was spürbar mehr Beschleunigung brachte. Höchstgeschwindigkeit war nicht deutlich mehr, aber mein Schnitt auf die ~80km wurde ca. 2km/h schneller. Es ging schon deutlich einfacher den Berg hoch und schneller auf Fahrtgeschwindigkeit in der Geraden. Dann habe ich auch TPU-Schläuche in das Trekkingrad gemacht um das mal zu testen. Da habe ich dann noch mal deutlich gemerkt, dass die weniger Rollreibung haben.
Nach der Kopfzeile der Tabelle muss zwingend eine Trennzeile kommen:
|Kategorie|Trekkingrad|Gravelbike|Differenz|
|-|-|-|-
|Zeit (In Bewegung)|1:00:32|57:11|- 03:21|
|Durchschnittliche Geschwindigkeit|22,7 km/h|24,1 km/h|+ 1,4 km/h|
|Max. Geschwindigkeit|54,5 km/h|58,5 km/h|+ 4,0 km/h|
|Trittfrequenz (Durchschnitt/max.)|65 / 115 rpm|69 / 107 rpm|+4 / -8 rpm|
|Strava Segmente + Bestzeiten für best. Strecken: (Gold/Silber/Bronze)|2 / 1 / 2|4 / 1 / 1|+2 / 0 / -1|
|Beste 10km (Zeit / km/h)|19:19 / 31,1 km/h|19:06 / 31,4 hm/h|-0:13 / +0,3 km/h|
Oh oh oh, der Post wird all die Gravel Hater auf den Tag rufen.
1. Vielen Dank für diesen tollen Test, habe ich sehr gerne gelesen
2. Meine Erfahrungen sind auch, dass man moderat schneller ist, sich aber nochmal schneller fühlt, und es deswegen auch sehr viel mehr Spaß macht, wenn man sowas gerne mag. Es ist schön zu wissen, dass das auch wirklich so zu sein scheint.
3. Wow, das Backroad ist schon echt ganz schön teuer? 2k€ für eine GRX400 und einen Alurahmen?