“Wie sehr ich Berlin auch liebe: Ich konnte das Chaos kaum fassen, als ich vor 15 Jahren von Kopenhagen hierher zog. Fehlende Radwege. Zerlöcherte Radwege. Radwege, die plötzlich enden oder vor Bäumen abrupt abknicken.”
“Verwundert musste ich feststellen, dass Fahrräder in Berlin als Problem und nicht als Lösung gesehen werden.”
“Im dänischen Transportministerium berechnet man den sozioökonomischen Nutzen des Fahrradfahrens und kommt – nicht überraschend – zum Ergebnis: Autofahrer kosten die Gesellschaft viel mehr Geld als Fahrradfahrer. Genauer: 8,39 Kronen beziehungsweise 1,12 Euro spart die Gesellschaft pro Kilometer, wird dieser mit dem Rad statt mit dem Auto zurückgelegt.”
“Umso größer ist meine Fassungslosigkeit darüber, wie das Fahrradfahren und vor allem das Lastenradfahren in gewissen Teilen der deutschen Presse fast identitätspolitisch dämonisiert wird: So etwas fährt ja nur das rotgrünverwöhnte Biobürgertum, das uns das gute alte Auto wegnehmen will!”
Dagegen in Dänemark:
“Fahrradfahren ist hier ein fast schon konservatives Kulturgut geworden, und Lastenrad fahren alle Eltern, denen ihre Zeit lieb ist.”
Und ein Zitat vom Direktor des Dänischen Fahrradverbandes:
“Eigentlich sind alle Parteien fürs Fahrradfahren, auch wenn vielleicht in unterschiedlichem Ausmaß. Radfahren löst eben so viele Probleme, vor denen die Politik steht […] Da kann man sich eigentlich keine parteipolitischen Grabenkämpfe leisten. Niemand glaubt daran, dass auch noch in 50 Jahren die heutige Menge an privaten Autos den Kern unseres Stadtverkehrs ausmachen wird.”
Und ein sachlich-versönlicher Schluss, hinter den ich mich auch genauso stellen würde (auch wenn es manchmal schwer fällt…):
“Kränkungskonfrontationen müssen wir überwinden: wir gegen die, Fahrrad gegen Auto. Denn wenn es mehr Fahrräder gibt, gewinnen alle. Auch die Autofahrer unter uns.”
1 Comment
Eine gut geschriebene Einschätzung der Radverkehrssituation (nicht nur…) in der Hauptstadt.
Autor ist ein Däne, der die letzten 15 Jahre in Berlin gelebt hat.
Link zu einem Text-Archiv des Artikels:
[https://archive.md/qZdNk](https://archive.md/qZdNk)
Ein paar schöne Zitate:
“Wie sehr ich Berlin auch liebe: Ich konnte das Chaos kaum fassen, als ich vor 15 Jahren von Kopenhagen hierher zog. Fehlende Radwege. Zerlöcherte Radwege. Radwege, die plötzlich enden oder vor Bäumen abrupt abknicken.”
“Verwundert musste ich feststellen, dass Fahrräder in Berlin als Problem und nicht als Lösung gesehen werden.”
“Im dänischen Transportministerium berechnet man den sozioökonomischen Nutzen des Fahrradfahrens und kommt – nicht überraschend – zum Ergebnis: Autofahrer kosten die Gesellschaft viel mehr Geld als Fahrradfahrer. Genauer: 8,39 Kronen beziehungsweise 1,12 Euro spart die Gesellschaft pro Kilometer, wird dieser mit dem Rad statt mit dem Auto zurückgelegt.”
“Umso größer ist meine Fassungslosigkeit darüber, wie das Fahrradfahren und vor allem das Lastenradfahren in gewissen Teilen der deutschen Presse fast identitätspolitisch dämonisiert wird: So etwas fährt ja nur das rotgrünverwöhnte Biobürgertum, das uns das gute alte Auto wegnehmen will!”
Dagegen in Dänemark:
“Fahrradfahren ist hier ein fast schon konservatives Kulturgut geworden, und Lastenrad fahren alle Eltern, denen ihre Zeit lieb ist.”
Und ein Zitat vom Direktor des Dänischen Fahrradverbandes:
“Eigentlich sind alle Parteien fürs Fahrradfahren, auch wenn vielleicht in unterschiedlichem Ausmaß. Radfahren löst eben so viele Probleme, vor denen die Politik steht […] Da kann man sich eigentlich keine parteipolitischen Grabenkämpfe leisten. Niemand glaubt daran, dass auch noch in 50 Jahren die heutige Menge an privaten Autos den Kern unseres Stadtverkehrs ausmachen wird.”
Und ein sachlich-versönlicher Schluss, hinter den ich mich auch genauso stellen würde (auch wenn es manchmal schwer fällt…):
“Kränkungskonfrontationen müssen wir überwinden: wir gegen die, Fahrrad gegen Auto. Denn wenn es mehr Fahrräder gibt, gewinnen alle. Auch die Autofahrer unter uns.”