In der 15 Minütigen Sendung ging es am 15.02.1989 um den Themenkomplex Energien der Zukunft die heute schon funktionieren
– Erdwärme, am Beispiel einer Anlage in Salzhemmendorf
– Sonnenenergie, am Beispiel von Solartechnik
– Wasserstoff Technologie
Moderation: Ulrich Herzog
Am Ende befindet sich noch eine einminütige Aufzeichnung der Sendung Kontraste mit Thema Hans-Christian Ströbele und der alternativen Liste und möglicher Einzug ins Rathaus Schöneberg
Aufzeichnung vom 15.02.1989, 11:55 – 12:10, ARD
Herzlich willkommen zur Umschau, meine Damen und Herren. Energie ist wieder einmal unser Thema. Energien der Zukunft, die heute schon funktionieren. Erdwärme, Wasserstoff, Technologie, Sonnenenergie. Die Suche nach neuen alternativen Kraftspendern für Industrie und Haushalt begann ja mit dem ersten Ölschock und war am Anfang eigentlich immer nur eine Suche nach der Unabhängigkeit vom Erdöl. Aber spätestens seit Tschernobyl geht es auch um Alternativen zum Atomstrom, um umweltsaubere Energien. Und dazu unser erstes Thema, Erdwärme. Eine ehemalige Bahnhofskneipe, die zugemacht hat, seit es den Bahnhof nicht mehr gibt. Jetzt ist hier ein Massagesalon, geführt und betrieben von jungen Leuten. Es ist hier in Salz-Hemmendorf zwischen Hildesheim und Hameln wie in anderen Salons auch. Natürlich kann man sich auch hier die jugendliche Problemhaut reinigen, Hals- und Dekolleté pflegen, Haare aus dem Gesicht und der Bikini-Zone entfernen lassen. Natürlich gibt es hier Bäder jeder Art, für die man ganz klar viel warmes Wasser und viel mollige Wärme in unzähligen Räumen braucht. Die Wärme hole ich mir aus der Erde, entschied der fortschrittliche Salonbesitzer. Uns nennt Herr Godowski für seine Entscheidung drei Argumente. Erst einmal die Wirtschaftlichkeit, auf Jahre gesehen, weil wir einen hohen Wärmebedarf haben. Die Unsicherheit auf dem Ölmarkt und halt ein Punkt, was für mich auch entscheidend war, die Umwelt. Bohrstangenwechsel. Es geht also zunächst einmal der Umwelt an den Kragen. Relativ gesehen ist das nicht einmal ein Mückenstich. Gesaugt wird nicht einmal das Grundwasser, sondern nur die Wärme. Denn, und das ist der springende Punkt, es handelt sich hier nicht um die Errichtung einer üblichen Wärmepumpe, die das Grundwasser verbraucht. Nein, hier wird im drucklosen, langsamen Kreislauf die praktisch unerschöpfliche Wärme des Erdinneren heraufgeholt. Dass die Erde innen warm ist, wissen die Menschen, seitdem es den Bergbau gibt. Je tiefer, desto wärmer. Alle 30 Meter steigt die Temperatur um etwa ein Grad. Gebohrt wird in der Regel 250 Meter tief. Und so kommen unten etwa 16 Grad zusammen. Und diese Wärme kann man gut und vor allem witterungsunabhängig nutzen. Den Wärmetransport übernimmt das Wasser. Unten drückt eine Pumpe dieses auf dem Weg nach unten erwärmte Wasser durch ein gut isoliertes Rohr wieder nach oben. Hier wird es in einem simpel gesagt verkehrt herum funktionierenden Kühlschrank auf 40 Grad weiter erwärmt. Im zweiten Kreislauf wird diese Wärme an die Heizkörper abgegeben. Der Erfinder dieser Erdwärmegewinnungsanlage ist Hans Hildebrand. Als Bergbauingenieur musste er früher den Bergleuten die lästige Erdwärme vom Hals halten. Die Umweltdiskussionen brachten ihn in den 70er Jahren auf die Idee, diese Wärme von unten in die Häuser zu holen. Mit seiner Erfindung ging er in die Schweiz, denn nur dort fand man die Sache echt heiß. Wir haben uns durch die Erfahrungen, die wir gemacht haben, ein System zugelegt, mit dem wir Kilowatt Erdwärme verkaufen. Dem Kunden also nicht mehr das Risiko aufdrängen, sondern das Risiko bleibt schon in unserem Bereich bis zur Fertigstellung der Anlage. Auch dann lässt sich mit einem mittleren Kalkulationspreis, gemittelten Kalkulationspreis, diese Technologie auch für uns interessant verkaufen. Alle Unwegsamkeiten der Bohrungen und der hierfür unumgänglichen Behördengänge übernimmt also Hans Hildebrand. Danach gibt es die üblichen fünf Jahre Garantie. Im Prinzip, so der Erfinder und Produzent, gehe er davon aus, dass die Anlage die gleiche Lebensfähigkeit besitze wie das Haus, in das sie eingebaut wird. Damit erhöhe sich der Gesamtwert der Immobilie und deren Beleihbarkeit. Die Banken in der Schweiz sehen das bereits so. Bei uns im Norden wird der erste niedersächsische Besitzer dieser erdwärme Gewinnungsanlage sich wohl noch durch den Finanzierungsdschungel durchschlagen müssen und so den Weg für die Nachfolger bahnen. Nachfolger von denen es dann hoffentlich genügend gibt. Naja, und wenn in unserem kleinen Kosmetiksalon dann auch noch alle verwendeten Kosmetika nach Umwelt- und Biokriterien ausgesucht werden, dann stimmt der Laden. Das nächste Energiethema Solartechnik. Die Bilder von den großen Anlagen in den Pyrenäen oder in Spanien die haben wir alle vor Augen. Aber Solarzellen auf dem Dach eines Einfamilienhauses hierzulande sind immer noch eine Seltenheit. Und deshalb ist das kleine Solarkraftwerk der Familie Gutsch in unserem Bericht schon etwas wert. Ein sonniger Tag ganz im Sinne der Familie Gutsch. Die Sonnenstrahlen prallen ungehindert auf das Dach ihres Einfamilienhauses. 28 Solarmodule machen die Familie seit April vom öffentlichen Stromnetz fast unabhängig. Um 17.30 Uhr zeigt der Solarzähler immerhin noch fast 10 Ampere an. Das entspricht einer Leistung von 500 Watt. Zur Mittagszeit liefern die Solarzellen bis zu 1500 Watt, auch an sonnigen Wintertagen. Der Solarstrom fließt in Batterien, die die Energie auftanken. Der Vorrat reicht für zweieinhalb trübe Tage. Dieser Wandler zaubert daraus 220 Volt Wechselstrom. Ob der hausgemachte Strom für unsere Scheinwerfer ausreicht? Eine 650 Watt Birne leuchtet bereits und die zweite auch kein Problem. Der rasende Stromzähler verrät allerdings, dass die Festillumination die Akkus nach wenigen Stunden ausgesorgt hätte. Zumal Frau Gutsch zur selben Zeit Gelee einkochte. Mit dem kleinen Herd. Der große ist tabu und wird nur für den Festtagsbraten angeworfen. 30.000 Mark und ungezählte Arbeitsstunden kostete das Solarabenteuer. Warum haben die Gutschs so viel dafür investiert? Von der Motivation her war für mich oder für uns ganz entscheidend der Schock nach Tschernobyl. Als wir zur Besinnung kamen und uns darüber klar wurden, welche Gefahr von Atomkraftwerken ausgeht, habe ich auch für mich überlegt, welchen Anteil habe ich daran durch meinen unreflektierten Stromverbrauch, einfach immer nur verbrauchen, verbrauchen und nicht auf die Quelle achten. Und als wir das kapiert hatten, haben wir erstmal im Haus nachgesehen, was lässt sich alles ausschalten, wo können wir Strom sparen. Das führte dazu, dass wir schon mit einfachen Sparmaßnahmen einen Teil unseres Energieverbrauchs reduzieren konnten. Und als ich dann zu Weihnachten von meinem Sohn dieses Solarmühlchen geschenkt bekam und wir das ein Vierteljahr lang beobachteten, wie sich unsere Lichtverhältnisse da auswirkten, da wuchs bei uns die Motivation, es nicht nur bei dem Mühlchen und der Spielerei zu belassen, sondern wirklich auf dem Dach was zu probieren. Vater Gutsch, gelernter Elektriker, und Sohn Andreas suchten sich die Bauteile in ganz Europa zusammen. Für die Montage der schweren Solarmodule mussten sie die Dachziegel durchbohren. Es gab Probleme, das Dach wieder abzudichten. Aber nach drei Monaten konnten die Gutschs der RWE dann die lange Nase zeigen. Solarstrom für jeden Haushalt flächendeckend, wäre das eine Möglichkeit? Die Möglichkeit sehe ich für Deutschland nicht. Diese Möglichkeit sehe ich im Zusammenhang mit der Wasserstofftechnologie für Südlichere Länder. Ich denke, dass in dem Zusammenhang zum Beispiel die Installation von Solarzellen in der Sahara, also in Wüstenregionen, durchaus zukunftsträchtig ist und einen Großteil unserer Energie besorgen kann. Dass die Solarvorreiter bereits 80 Prozent ihres Strombedarfs durch die eigene Anlage decken, ist nicht zuletzt auf genaue Buchführung und die Sparmaßnahmen zurückzuführen. Gewaschen und gebügelt wird eben nur, wenn die Sonne Überschuss erzeugt. Für besonders trübe Wintertage reicht das Umlegen eines Schalters und die Gutschs werden auf Zeit RWE-Kunden. Die hauseigene Sauna allerdings bleibt im Zuge des neuen Energiebewusstseins kalt. 7000 Watt Stromverbrauch, dafür müsste die Solaranlage dreimal so groß sein. Allein der Gedanke an die Stromverschwendung lässt die Solarfans ins Schwitzen kommen. Also das ist mir ein bisschen zu konsequent. Wenn ich eine Sauna im Hause habe, dann benutze ich sie erstens der Gesundheit zuliebe und zweitens, weil es auch Spaß macht. Übrigens waren wir eben auch auf der Suche nach einer Alternative, nach einer anderen Maschine, nämlich die uns den Beitrag sauber abspielt. Die kleinen Kratzer im Bild und die Spratzer nehmen sie uns hoffentlich nicht übel. Da fiel eben, meine Damen und Herren, das Stichwort Wasserstofftechnologie und das ist unser letztes Thema heute. Auch das hat etwas mit Sonnenenergie zu tun, die nicht nur in der Wüste funktioniert. Alles über Wasserstoffgewinnung in diesem Bericht. Wenn wir auch nur teilweise aus der Kernkraft aussteigen, dann bedeutet das derzeit zurück zu den herkömmlichen Kraftwerken mit Öl- oder Kohlefeuerung. Die aber geben so viele Schadstoffe an die Luft ab, dass sich Umweltverschmutzung und Klimaveränderungen weiter beschleunigen würden. Eine Alternative, Sonnenenergie, denn die ist in unbegrenztem Maße vorhanden. Wie man diese Energie sinnvoll einsetzen soll, darüber gibt es seit kurzem ganz neue Vorstellungen. Mithilfe von Wasser nämlich, und auch das steht ja unbeschränkt zur Verfügung. Das Prinzip ist uralt. Seit Millionen von Jahren spalten Pflanzen mithilfe des Chlorophyllfarbstoffes Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff. Wasserstoff, der als brennbares Gas und damit als Energielieferant dienen kann. Photosynthese nennt man das und nichts anderes strebt man derzeit beim Fachgebiet analytische Chemie der Gesamthochschule Kassel an. Auch hier will man Wasserstoff als billige, saubere und unerschöpfliche Energiequelle gewinnen, das der Natur abgeschaute Prinzip dabei aber erheblich vervollkommen. Deshalb sucht man nach einem Farbstoff, der dem pflanzlichen Chlorophyll bei der Wasserstofferzeugung überlegen ist, der die Photosynthese also zum Beispiel auch bei der hierzulande häufig sehr geringen Sonneneinstrahlung in Gang hält. Sie wollen also Wasserstoff gewinnen mithilfe des Sonnenlichtes und wollen diesen Wasserstoff als Energiequelle einsetzen. Wie kann das geschehen? Das sind unsere Anstrengungen. Bis jetzt sieht das so aus, dass wir mit unserem System effektiv Wasserstoff erzeugen können. Viel besser als die natürliche Photosynthese. Und wie Sie wissen, durch die Verbrennung von Wasserstoff entsteht wiederum Wasser, was in das System zurückgeführt werden kann. Also ein sehr umweltfreundliches System. Die Gewinnung von Wasserstoff aus Wasser mithilfe der Sonnenenergie ist keine ganz neue Idee. So plant man zum Beispiel die Errichtung riesiger Sonnenkraftwerke in der Sahara. Die hier aufgefangene Sonnenenergie soll jedoch erst gespeichert und dann auf dem Wege der Elektrolyse zur Aufspaltung von Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff eingesetzt werden. Der Wasserstoff soll dann per Pipeline oder Tanker nach Europa transportiert werden, Über tausende von Kilometern, die zahlreiche Risiken bergen, wie zum Beispiel Terrorismus oder Naturkatastrophen. Außerdem wird bei dieser Methode der Umweg über die Speicherbatterie genommen. Bei dem in Kassel erforschten Verfahren wirkt das Sonnenlicht dagegen unmittelbar auf das Wasser ein und spaltet es wie in der Pflanze mithilfe von Farbstoffen in Sauerstoff und Wasserstoff auf, der dann als Brennstoff eingesetzt werden kann. Um die geeignetsten Farbstöffe zu ermitteln, werden an der Gesamthochschule immer neue Zusammensetzungen erzeugt, mit Licht in allen Wellenlängen bestrahlt und die Reaktionen aufgezeichnet. Wann glauben Sie mit Ihren Untersuchungen so weit zu sein, dass die Anwendungswissenschaftler hinzukommen können und sich überlegen, wie man das Ganze im großen Maßstab realisieren könnte? Wie Sie wissen, haben wir ja vom Bundesministerium für Forschung und Technologie ein Sonderforschungsprogramm hier in Kassel. Und wir versuchen, unser System jetzt soweit zu optimieren, dass wir möglicherweise in zweieinhalb bis drei Jahren ein angemessenes System anbieten können. Die Kasseler Wissenschaftler können nur den Nachweis erbringen, dass das Ganze funktioniert und erforschen, unter welchen Bedingungen es die optimale Ausbeute an Wasserstoff bringt. Welche Geräte später im Alltag dafür erforderlich sind, das müssen andere Wissenschaftsdisziplinen herausfinden. Glauben Sie, das, woran Sie arbeiten, könnte die Energiequelle der Zukunft sein? Wenn wir Erfolg haben, sicher. Sollte sich dieser Erfolg tatsächlich einstellen, dann wäre es möglich, überall Energie billig in unbegrenzten Mengen und ohne Umweltbelastung zu erzeugen. Die Kasseler Wissenschaftler ziehen da einen schönen Vergleich heran. Es sei, als pflanze man in jede Stadt einen gigantischen Baum, der dann Wasserstoff und Sauerstoff erzeugt, nur eben effektiver als in der Natur. Damit der Mensch die Natur wieder überlistet hat, aber sie wird sich auch hier möglicherweise wieder wehren. Morgen zur Umschauzeit gegen 11.55 Uhr gibt es ein Museumsstreifzug mit ein paar schönen Dingen. Für heute einen schönen Tag noch und auf Wiedersehen. Und nun plötzlich saßen wir am Freitag vor einer Woche da und es schien sich die Chance zu ergeben, zum ersten Mal seit Jahrzehnten linke alternative Politik in Berlin durchzusetzen. Das war schon irgendwie verrückt. Verrückt fanden es fast alle Mitglieder der alternativen Liste und einige waren trunken von der Idee in rot-grüner Formation ins Rathaus Schöneberg tanzen zu können. Also fröhliche Abstimmung für Koalitionsverhandlungen mit der SPD. Das war am Sonnabend. Am Sonntag kam die Ruhepause. Nachdenken eingeschlossen und gestern dann ging es ans Eingemachte zur Sache. Vorher aber musste die SPD von der AL eingestimmt werden. Ein Albtraum geht zu Ende, wir wollen die rot-grüne Wende. Acht Jahre CDU, das ist genug.
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Da sieht man wie lange Deutschland verschlafen hat…