Soziale Ungleichheit, Dominanz von Eliten in Wirtschaft und Politik und physische Gewalt kennzeichnen die kolumbianische Republik seit ihrer Gründung. Nach Bürgerkriegen haben Politiker immer wieder versucht, das Land zu befrieden. Ein nachhaltiger Frieden ist jedoch nie gelungen. Mit dem 2012 begonnenen Friedensprozess wollten die beteiligten Akteure Vieles besser machen. Zu den geplanten Transitionsinstrumenten gehörte eine Wahrheitskommission, die die lange Geschichte der Gewalt aufarbeiten sollte. Diese Kommission arbeitete mit innovativen Methoden in den von der Gewalt am stärksten betroffenen “Regionen”, “Territorien” und “Gemeinden”. Im Juni 2022 trat die Wahrheitskommission mit ihrem viele Tausend Seiten langen Wahrheitsbericht an die Öffentlichkeit. Wie kam die große Wahrheitserzählung der Kommission zustande? Wie hat diese Kommission angesichts der anhaltenden, hoch emotionalisierten, aggressiven, unversöhnlichen Kampagne der Friedensgegner in den sozialen Medien und den von der Oligarchie kontrollierten Leitmedien gearbeitet? Inwieweit ist es der Kommission gelungen, die Ergebnisse an die Bevölkerung zu kommunizieren und den Übergangsprozess zu unterstützen? Inwieweit ist es den Friedensgegnern gelungen, ihre “Wahrheit” in der Öffentlichkeit zu platzieren? Und was bedeutet der Kampf um Deutungshoheit und “Wahrheit” für das zukünftige Zusammenleben in dieser polarisierten Gesellschaft? Die Rolle der Medien, der Kommunikation und des Umgangs mit der “Wahrheit” stehen in der Literatur über Wahrheitskommissionen nicht im Vordergrund. In diesem Vortrag gehen wir besonders darauf ein. Außerdem interessiert uns auch die Kommissionsarbeit in den lokalen Gemeinschaften.
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